Der Käufer und die Ministerin: Claus Jochen Ritzer hat das frisch sanierte Gebäude übernommen. Kulturministerin Martina Münch (SPD) besichtigte es.
Foto: Bernd Friedel / Berliner Zeitung

Brandenburg/DahlwitzEs macht wirklich was her, das Schloss Dahlwitz im Landkreis Märkisch-Oderland, kurz hinter den östlichen Toren von Berlin. Frisch herausgeputzt ist es. Mit seiner weinroten Fassade, mit seinen rekonstruierten geschwungenen Freitreppen und dem markanten Turm erinnert es ein doch wenig an ein italienisches Landschaftsbild – obwohl es inmitten in einem märkischen Angerdorf steht.

Aber nach dem Gang hinauf in die Eingangshalle ist es vorbei mit der neuen Herrlichkeit. Statt edlem Interieur begrüßen nackte Baustellenwände alle Besucher. „Immerhin“, sagt Claus Jochen Ritzer, „hat meine Frau schon den ersten historischen Fenstergriff angeschraubt.“

Ausbau Schritt für Schritt

Der Steuerberater aus dem bayerischen Landshut hat das gut 160 Jahre alte Gutshaus gerade erst erworben und wird die Innenräume nun Schritt für Schritt ausbauen. Gekauft hat er die altehrwürdige denkmalgeschützte Villa von der Brandenburgischen Schlösser GmbH, die ihm sozusagen eine fertige Gebäudehülle übergeben hat.

Seit etwa 25 Jahren rettet die gemeinnützige Gesellschaft, deren Träger das Land Brandenburg und die privat geführte Deutsche Stiftung Denkmalschutz sind, historische Bausubstanz in der Mark vor dem Verfall, ohne vorher genau zu wissen, welche konkrete Nutzung später darin erfolgen wird. „Damit sind wir nach der Wende einen deutschlandweit einmaligen Weg gegangen“, sagt Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD), die am Donnerstag der Einladung des neuen Hausherren zu einer Schlossbesichtigung gefolgt ist. „Wir hatten damals einen großen Sanierungsstau: Viele Schlösser wären wohl unwiderruflich verloren gegangen, wenn es nicht dieses beispielhafte gemeinsame Engagement gegeben hätte.“

Die Schlösser GmbH erhielt den Auftrag, die Gebäude, die niemand haben wollte, zu sichern sowie je nach Finanzlage die Fassaden und die dazugehörigen Parks denkmalgerecht herzustellen. Auf diese Weise flossen in den vergangenen gut zweieinhalb Jahrzehnten etwa 90 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln, Stiftungsgeldern und eingeworbenen Spenden in ein Dutzend Ensembles. Darunter gewaltige Schlosskomplexe wie in Lieberose (Dahme-Spreewald) oder Alt-Döbern (Oberspreewald-Lausitz), aber auch kleinere Objekte wie das Sudermannshaus in Blankensee (Teltow-Fläming) oder eben das Gutshaus Dahlwitz. „All diese Anlagen sind gerettet, insofern ist die Brandenburgische Schlösser GmbH einer richtige Erfolgsgeschichte“, sagt der Vorstand der Deutsche Stiftung Denkmalschutz Steffen Studelny. „Jetzt gehen wir den nächsten Schritt, indem wir sie ausschreiben und verantwortungsvolle Betreiber für sie suchen.“

Erst Erhaltungskonzept, dann der Verkauf

Innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre wolle man die Schlösser veräußern. Dass dieses Erhaltungs- und Sanierungskonzept offenbar funktioniert, zeigt sich an Schloss Dahlwitz. Bis nach der Wende nutzte die Gemeinde Dahlwitz-Hoppegarten es als Kindergarten und Hort. Es wurde zusehends marode und die Sanierung überstieg die finanziellen Möglichkeiten der Kommune.

Da sich kein Interessent für das Gebäude fand, überschrieb es die Gemeinde für einen symbolischen Euro der Schlösser GmbH. Die steckte fast drei Millionen Euro in die Restaurierung der Außenhaut. Nun ist das Gutshaus das erste Objekt aus dem Portfolio der Gesellschaft, das privatisiert wurde.

Schloss Reichenow soll noch in diesem Jahr verkauft werden.
Foto: Patrick Pleul/ dpa

Café und Wohnungen

„Es gab eine Unzahl an Bewerbern und rund zehn wirklich seriöse Konzepte“, sagt Steffen Studelny. Das Herrenhaus war für etwa 950000 Euro Mindestgebot ausgeschrieben, der Erlös lag um Einiges höher. Über die genaue Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. „Wir verramschen nichts, aber wir wollen auch nicht unbedingt an den Meistbietenden verkaufen“, sagt Steffen Studelny. „Es geht um Menschen oder Institutionen, die von Denkmalpflege etwas verstehen und zugleich auch das öffentliche Interesse an den Gebäuden berücksichtigen.“

Mit Claus Jochen Ritzer haben Land und Stiftung den ersten neuen Schlossherren gefunden, der all diesen Kriterien entspricht. Der Liebhaber historischer Gebäude hat bereits in seiner Heimatstadt Landshut ein zerfallenes Palais wieder zu einem Vorzeigeobjekt gemacht. „Mit solch einem vorsanierten Gebäude ist die Ausgangslage natürlich besser“, sagt er. „Das Haus ist sicher und auch optisch schon sehr attraktiv. Innen ermöglicht es uns aber nun einen flexiblen und individuellen Ausbau.“

Er wird dort neue Wohnungen schaffen. Außerdem kann er sich auch ein Café und Veranstaltungen in einem größeren Saal vorstellen. Vertraglich zugesichert hat er, dass der zum Gutshaus gehörende Lenné-Park nach der abschließenden Restaurierung öffentlich zugänglich bleibt.

Gemeinde begrüßt den Schlossverkauf

Das ist ein Anliegen, das der Gemeinde Dahlwitz-Hoppegarten und den Einwohnern besonders am Herzen liegt. Immerhin verbinden viele Menschen mit dem Haus Kindheitserinnerungen. „Das Dorf identifiziert sich mit dem Schloss und den Park“, sagt der alteingesessene Hoppegartener Klaus Manthe. Er engagierte sich viele Jahre lang im Förderverein des Schlosses. Etwa 24000 Euro hat der im Lauf der Jahre an Spendengeldern zusammengetragen. Mit denen wurden symbolisch die 300 neuen Stuckkonsolen unter der Dachkante des Schlosses finanziert. „Wir haben uns immer was einfallen lassen, aber die Millionensummen, die mit solch einem Haus verbunden sind, hätten wir nie aufbringen können“, sagt Klaus Mathe. „Insofern finde ich das schon richtig gut, wie das hier insgesamt läuft.“