The Magnetic Fields.
Foto: Marcelo Krasilcic

Berlin In Zeiten, da alle Welt ohne erst nachzudenken die Kommentarspalten und Messaging-Apps vollkommuniziert, sodass niemand sich selbst mehr richtig denken hören kann, wirkt Sichkurzfassen besonders vornehm; so ist es zu begrüßen, dass der New Yorker Stephin Merritt, Schöpfer des langjährigen Songs-für-Zyniker-mit-Herz-Projekts The Magnetic Fields, dessen gerade erschienenes neues Album „Quickies“ der Kürze widmet: Kein Stück hierauf ist länger als zwei Minuten und 15 Sekunden, viele sind sogar kürzer als eine Minute.

Andererseits sind Merritts Kommunikationen traditionell schon voluminös: So erstreckten sich seine „69 Lovesongs“, die 1999 zum zentralen Magnetic-Fields-Werk wurden, über ein Tripel-Album, und auch „Quickies“ enthält 28 Songs. Auch in ihrer Wirkung erzeugen Magnetic Fields viel Kommunikation: die Alben werden gern wortreich rezensiert, und den hier schreibenden Autor hat auch die aktuelle Platte bisher nicht dazu angehalten, mal ausnahmsweise kürzere Sätze zu verfassen.

Doch ist Merritts Schreibe eine wohldurchdachte – immerhin schreibt er nur in der Bar sitzend und Cognac trinkend – und, stets die eigene Unzulänglichkeit in Leben und Liebe dokumentierend, in ihrer Miesepetrigkeit äußerst amüsant. So auch über weite Strecken auf dem aktuellen Album: Wie er im Stück „Kraftwerk in a Blackout“ eine schlecht laufende Beziehung mit einem Konzert der berühmtesten elektronischen Musiker bei Stromausfall vergleicht und dann zum Ukulelengeschrammel eine Mandoline hinzufügt, die wiederum einen pluckernden Kraftwerk-Synthesizer imitiert, ist ebenso herzerwärmend wie das mit tatsächlichen elektronischen Instrumenten gespielte „(I want to join a) Biker Gang“, wo er in poppiger Dichte singt „I like my empty life but Dang! / I want to join a Biker Gang“ und sich Kenneth-Anger-haften Sexualfantasien hingibt.

Alles ist, wie gewohnt, in heimeligem Lo-Fi-Sound entstanden, selten spielen mehr als zwei Instrumente gleichzeitig. Höhere Gesangsparts übernimmt Sängerin Shirley Simms, die auch in ihrem Register die Klarsicht und Weltabgewandheit der Lieder angenehm schnörkellos und unaufgeregt umsetzt. Am besten jedoch funktioniert immer noch Merritts leicht versoffener Bariton, der etwa im Opener „Castles of America“ Epik entwickelt, ohne überironisch überepisch zu wirken.

Natürlich finden sich auch weniger zwingende Lieder; „The biggest Tits in History“ oder die Ameisenperspektive in „Song of the Ant“ wirken primär schuljungenhaft, aber das Tolle an dieser Platte ist: Auch die weniger gehaltvollen Teile sind aufgrund ihrer Kürze sehr schnell wieder vorüber.

Das Album

The Magnetic Fields: Quickies, Nonesuch (Warner), CD 17,99 Euro