Ein gefesselter Mann wird am Seil kopfüber von einer Brücke über einen tosenden Bergfluss hinabgelassen – mit dieser dramatischen Szene eröffnet die Fortsetzung des „Tatorts“ vom letzten Sonntag. Das Trio, das den Mann entführt hat und so spektakulär quält, ist dem Zuschauer bekannt. Neben „Pippo“, dem Killer aus Kalabrien, der bei einer Dortmunder Familie untergetaucht war, sitzt die 17-jährige Sofia (Emma Preisendanz). Den Typ neben ihr erkennt man nicht sofort. Es ist ihr Vater Luca (Beniamina Brogi), der auf Geheiß der ’Ndrangheta seine abtrünnige Frau erwürgt hat und nun, sechs Monate später, in der Illegalität einen Vollbart trägt. Seine gleichfalls geflüchtete Tochter aber weiß immer noch nicht, wo ihre Mutter abgeblieben ist.

Mit dem Wechsel vom Schauplatz Dortmund nach München hat auch die Regie gewechselt. Pia Strietmann, Anfang des Jahres schon mit dem Amok-Tatort „Unklare Lage“ betraut, setzt nicht auf eine so sprunghafte Montage wie ihr Vorgänger Dominik Graf. Sie konzentriert sich auf die Perspektive von Sofia. Im ersten Teil hatte das Mädchen ja Gefallen an coolen Jacken und schnellen Sportwagen gefunden, die mit den kriminellen Erträgen bezahlt wurden. Diesmal übt sie sich im Wald im Pistolenschießen. Der brutale Pippo hofft, Sofia könne eine echte „’Ndrinu“ werden, eine Kämpferin der ’Ndrangheta. Gendersprachtechnisch scheint die Mafia also vorbildlich zu sein. Denn Frauen sind in diesem Begriff gleichberechtigt – sie brauchen nicht mal Sternchen, sondern nur eben eine Pistole.

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