New York - Sein größter Hit war auch einer der größten Hits des 20. Jahrhunderts, kaum ein anderer Titel wurde so oft im Radio gespielt, so oft neu interpretiert, gehört, mitgesungen und mitgefühlt wie „Stand by Me“, dieses gospelhaft barmende, ganz große Liebeslied an ein Mädchen, mit dem der singende Mann den Rest seines Lebens verbringen möchte, und wenn das Mädchen nur bereit wäre, bei ihm zu bleiben, dann würde der singende Mann sich auch vor keinem Unglück mehr fürchten, das jemals über ihn hereinbrechen kann, er würde sich nicht einmal fürchten, wenn der Himmel auf ihn herniederstürzt und die Gebirge vom Ozean verschlungen werden: „I won’t cry, I won’t cry /No, I won’t shed a tear /Just as long as you stand, stand by me“.

Ben E. King heißt der Sänger dieses dramatischen Lieds über Vertrauen und Liebe, komponiert von dem Songschreiberteam Jerry Leiber und Mike Stoller in Anlehnung an den Gospel „Lord Stand By Me“, veröffentlicht im Oktober 1960 und in den folgenden Jahrzehnten unzählige Male gecovert, unter anderem von John Lennon. Für King war es der erste große Solo-Erfolg, seine Karriere hatte der 1938 in North Carolina geborene Sänger Ende der Fünfziger in den R&B-Gruppen The Five Crowns und The Drifters begonnen, mit letzteren sang er das ähnlich legendäre „Save The Last Dance For Me“.

Und so wie die Drifters mit ihren komplexen, oft auch dialogisch gehaltenen Vokalharmonien wesentlich dazu beitrugen, dass die gottesdienstgeprägten Formen der afroamerikanischen Musik sich in den modernen Soul verwandelten, so blieb wiederum in den späteren Soul-Klassikern von Ben E. King – neben „Stand by Me“ etwa noch „Spanish Harlem“ und „There Goes My Baby“ – das Erbe von R&B und Gospel immer spürbar: in den Melodien, in der kunstvollen Rauheit des Timbres und der Inbrunst, mit der er sang; und in dem unerschütterlichen Vertrauen in Gott und die Liebe unter den Menschen.

Am Donnerstag ist Ben E. King im Alter von 76 Jahren gestorben.