Wie klingt der Schwarzwald? Und wie Berlin? Das soll bald im Internet und per Smartphone-App zu hören sein. Musikwissenschaftler der Universität Freiburg gestalten dazu eine Social Media-Plattform, auf der jeder Handynutzer weltweit Geräusche aufnehmen und über das Internet anderen zugänglich machen kann.

Nachwuchswissenschaftler des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Freiburg wollen mit dem Forschungsprojekt „Alle Sounds der Welt“ die Öffentlichkeit für Alltagsgeräusche sensibilisieren und das bewusste Hören von Klängen im Alltag fördern. Erforscht werden sollen auch neue Möglichkeiten der Kategorisierung und Analyse von Klängen, erläutert die Musikwissenschaftlerin Anne Holzmüller.

Trommeln, quietschen, krähen

Ob der Monsunregen in Pakistan auf das Blechdach trommelt, die Straßenbahn in Freiburg quietschend um die Ecke fährt oder ein Hahn kräht, überall auf der Welt können Nutzer bald anonym mit der SoundCaching-App auf ihrem Smartphone Geräusche und Klänge aufnehmen und einfach auf die Plattform hochladen.

So soll eine digitale weltweite Klangkarte entstehen, bei der Sounds angehört, geteilt, gemixt und kommentiert werden. Die konkreten Orte und Zeiten der Geräusche sollen kartografiert werden, um sie so auf intuitive Weise erfahr- sowie wissenschaftlich erfassbar zu machen. Nicht zuletzt soll so ermöglicht werden, dass Menschen ihre tagtägliche Erfahrung von Sounds miteinander teilen.

Ton bisher oft nur Anhängsel

Es sei ein bisschen wie Geocaching: Charakteristischen Klang suchen und aufnehmen, Zeitpunkt und Ort genau definieren per GPS. Daneben sollen die User auch sprachlich kreativ werden und die Klänge beschreiben. Bisher sei der Ton im weltweiten Web oft nur Anhängsel in der Welt der schönen Bilder und Filme. Mit ihrem Projekt haben die Studenten auch bereits einen mit 10000 Euro dotierten Preis beim Hochschulwettbewerb Bits und Bytes gewonnen.

Eine Website, die derzeit entwickelt wird, soll es jedem − ohne Zugangsbeschränkung und anonym − ermöglichen, ein Geräusch hochzuladen oder eine individuelle Klanglandschaft zu kreieren. Auf der Plattform sollen auch Sounds über verschiedene Kategorien gesucht, gefiltert und übereinandergelegt werden können.

Die App soll ab April kostenlos für Smartphones herunterladbar sein. Auch der Mainzer Musikverlag Schott sei an der Entwicklung einer Klangdatenbank interessiert, sagte Holzmüller. Er steigt demnach als Partner ein. (epd)