Die Geschichte vom Gesangstalent aus dem Kirchenchor, das hinausschwirrt in verrauchte Clubs und weltliche Lieder singt, ist uralt. Im ersten Tonfilm „The Jazz Singer“ wurde sie 1927 über einen jüdischen Kantor erzählt. In „Sparkle“ geht es nun um drei Goldkehlchen in einem Gospelchor der 60er-Jahre. Der Film ist das Remake eines gleichnamigen Pop-Melodrams von 1976, das in Deutschland unbekannt geblieben ist. Der spätere Hollywood-Regisseur Joel Schumacher hatte sich mit dem Drehbuch erste Sporen verdient.

Hier sei die DVD des ersten „Sparkle“ empfohlen: Es ist ein erstaunlich glaubwürdig gespielter Tränendrücker; und wie so viele Filme über singende Aschenputtel machte er seine Hauptdarstellerin auch in Wirklichkeit berühmt. Irene Cara reifte mit „Fame“ zum Weltstar; für den Titelsong aus „Flashdance“ gewann sie einen Oscar – und verschwand bald wieder in der Versenkung, aus der sie DJ Bobo nur für einen Sommer erretten konnte. So viel zum Thema Starruhm. Erst einmal jedoch deuten alle Zeichen darauf, dass der Stern von Jordin Sparks, schon durch ihren Namen für die Titelrolle prädestiniert, ähnlich in die Höhe schießen könnte.

Jordin ist ein Naturtalent wie einst die junge Mariah Carey, deren Phrasierungskunst sie offenbar bis in die Zweiunddreißigstelnoten studiert hat. Natürlich im direkten Vergleich zum gemeinsamen Vorbild Whitney Houston, die ihr nun in fast unheimlicher Präsenz aus dem Jenseits über die Schulter blickt. Houston, die Anfang des Jahres verstarb, spielt in einer beeindruckenden, ja herzergreifenden Performance die strenge Mutter der drei Schwestern. Auch wenn kein Wort darüber fällt, muss sie den sozialen Aufstieg in die schwarze Mittelschicht von Detroit mit vielen Tränen bezahlt haben. Doch nur eine ihrer überbehüteten Töchter, die sittsame Dee, wird es auf ein College schaffen. Die tragische Schönheit Sister wirft sich einem gewalttätigen Macho an den Hals, der schließlich durch Dees Hand den Tod findet. Sister nimmt die Schuld auf sich und geht ins Gefängnis, was freilich immer noch ein besseres Schicksal ist als das ihrer Vorläuferin im Originalfilm: Die wurde, wenn auch zu herrlichen Gospel-Chören, als Drogentote zu Grabe getragen.

Melodramatisch ist der Plot noch immer. Die Inszenierung ist indes erstaunlich seriös und zurückhaltend. Das Verhältnis der ungleichen Schwestern wird in langen Dialogen bis in feine Zwischentöne ausgelotet. Der Soundtrack führt sehr liebevoll in die Tamla-Motown-Ära, auch wenn der von R. Kelly geschriebene Showstopper „Celebrate“, ein Duett von Houston und Sparks, eher nach den 90ern klingt.

„Sparkle“ ist ein überraschend ernsthafter, aber auch merkwürdiger Musikfilm. Es gibt kaum Außenaufnahmen, und die Bilder sehen weit mehr nach „Video“ aus, als im HD-Format zu erwarten. Das fügt sich zu einem Eindruck von altem Fernsehen, hindert uns jedoch nicht daran, diesen vier mutigen Frauen sehr gern zuzusehen. Vor allem Whitney Houston, die man zuerst kaum wiedererkennt. Sie erweicht mit ihrer Nummer „His Eye Is On The Sparrow“ auch Skeptiker. „Warum sollten die Schatten kommen“, heißt es darin. Niemand konnte ahnen, dass Whitney Houston dem Tod so nah war.

Sparkle USA 2012. Regie: Salim Akil, Drehbuch: Mara Brock Akil, Darsteller: Jordin Sparks, Carmen Ejogo, Whitney Houston u. a.; 116 Min., Farbe.