Blockbuster nannte man im zweiten Weltkrieg Luftminen, die ganze Stadtviertel verwüsteten. Erst etwa drei Jahrzehnte später übertrug ein Reporter der Zeitschrift Variety das zündende Bild auf den auf Kinohit der Saison. Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ schließlich prägte die Idee vom Blockbuster-Genre, einer Art Actionfilm, bei dem alles ein wenig zu groß und protzig ist. Heute werden die jährlichen Sommer-Blockbuster zum 4. Juli in den USA mit geradezu religiöser Feierlichkeit erwartet.

Unter allen Superhelden könnte der Teenager Spider-Man diesen Bombastus wohl noch am ehesten im Zaum halten. In keinem Lebensalter ist die Aussicht plötzlichen Ruhms verlockender – und die des unvermittelten Scheiterns peinlicher. Gut, wenn man außerdem noch ein Fallnetz und zwei klebrige Füße hat.

Netz zwischen Twin Towers

Die erste Spider-Man-Trilogie von Sam Rami war (neben „Zurück in die Zukunft“) der Teenie-Blockbuster schlechthin. Dabei hätte Toby Maguires Karriere in der Rolle nicht schlechter beginnen können: Im ersten Trailer hatte er sich 2001 sein Netz zwischen den Twin Towers gespannt. Die Szenen konnte man wegwerfen.

Andrew Garfield und Emma Stone, die Stars der nächsten Auflage, hatten dann überragende irdische Qualitäten; sie besaßen soviel echtes Charisma, dass sie für die eigentliche „Animation“ der formelhaften Geschichte sorgen.

Jede Menge geht schief

Fast schon verwegen-ungelenk begegnet uns dagegen Tom Holland als Peter Parker, der rothaarige Brite im selbst gebastelten rotblauen Spinnenkostüm. Wenn er nachts auszieht, um mit Superkräften, die ihm gerade erst zu gehorchen lernen, den Ärmsten in Not zu helfen, dann geht noch jede Menge schief.

Ein verdächtiger Gegner, der mit Waffen außerirdischer Munition hantiert, sollte allerdings Mahnung sein, bald alle Superkräfte beisammen zu haben. Michael Keaton spielt ihn, und er sieht auf etwas hemdsärmelige Weise böse aus.

Praktischer Anzug

Besonders einem ist daran gelegen, dass Spider-Man bald voll einsatzfähig ist: „Iron Man“ Tony Stark (Robert Downey Jr.) verspricht dem Lehrling eine Vollmitgliedschaft in der Avengers-Truppe. Immerhin gehört zu dem Trainingsprogramm bereits ein professioneller Spinnenanzug.

Mehr freilich noch als Tony Stark es möchte, dass Spider-Man endlich zu den Avengers dazugehört, will das die Firma Marvel: Alles an diesem Film ist auf Serien-Kompatibilität getrimmt. Und dass, obwohl ja einzelne Marvel-Filme einen durchaus eigenen Stil hatten.

Zum Verzweifeln

Zur Zweitklassigkeit verdammt ist dagegen das, was bisher das Besondere an den Spider-Man-Filmen ausmachte – die Teenie- und Coming-of-Age-Elemente. Zwar hat sich Peter Parker bereits in ein Mädchen (Laura Harrier) verguckt, doch auch sechs Drehbuchautoren bringen ihn diesem kein bisschen näher. Es ist zum Verzweifeln – und dabei kein bisschen liebenswert.

Allerdings ist Peter Parker auch nicht der einzige Lehrling auf dem Set. Auch Regisseur Jon Watts, der hier seinen dritten Spielfilm drehte, ist ein Blockbuster-Neuling. Doch anders als Tim Burton, der mit ähnlich schmalem Portfolio den ersten Batman drehte, fehlt es Watts an jeglicher visionären Idee. Sein Film ist auf beiden Ebenen gleich obskur – dem Visuellen wie dem Darstellerischen.

Pickelgesicht

Hauptdarsteller Tom Holland soll vielleicht mehr wie der Teenager von nebenan aussehen als frühere Spider-Man-Darsteller. Anderseits bedeutet die Gabe, Superkräfte zu besitzen, ja nicht unbedingt, noch nie etwas von Clearasil gehört zu haben.

Für den überraschend breiten Raum, den die unscheinbaren Highschool-Szenen im Film einnehmen, sind sie enttäuschend flach. Dagegen gehören Michael Keatons Schurken Vulture spektakulärere Szenen. Seine Bosheit kleidet er in elegante Mobilität – sein geflügeltes Gefährt weckt dabei Assoziationen an Keatons vergangenen Ruhm als Bat- und Birdman-Darsteller. Für luftige Kämpfe also ist ebenso gesorgt wie für Erinnerungen an bessere Blockbuster.

Spider-Man: Homecoming: Regie: John Watts, Mit Tom Holland, Michael Keaton und Robert Downey, Jr. 132 Min.