Über die stupende Anpassungsfähigkeit deutscher Journalisten hat der Jurist und Journalist Sebastian Haffner Ende der 30er Jahre rückblickend in seinem Londoner Exil zu Protokoll gegeben: „Viele der Zeitungen verschwanden von den Kiosken – aber viel unheimlicher war, was mit den übriggebliebenen geschah. Man erkannte sie nicht mehr recht wieder. Man ist gewöhnt, mit einer Zeitung wie mit einem Menschen zu verkehren, nicht wahr, man hat im Gefühl, wie sie auf bestimmte Dinge reagieren, was sie sagen und wie sie es sagen wird. Sagt sie plötzlich das Gegenteil von allem, was sie gestern gesagt hat, verleugnet sie sich völlig und zeigt sie ganz entstellte Züge, so entgeht man nicht einem Gefühl von Irrenhaus. Dies geschah.“

Niemand hat die Gelenkigkeit und Rapidität, mit der die überwältigende Mehrheit der politischen Journalisten den Übertritt von der Weimarer Demokratie in den Nationalsozialismus vollzog, mehr beeindruckt als die Journalisten selbst. Das Gefühl, diesen katastrophalen Bruch in der Geschichte schmerzlos, ja mopsfidel überstanden zu haben, war offenbar so beglückend, dass es nach Wiederholung verlangte.

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