Es sind die späten Siebziger und Ron Stallworth (John David Washington) sieht verdammt cool aus: Adretter Vollbart, rotbraune (Wild-)Lederjacke und ein Afro, so voluminös und so fluffig wie beim jungen Michael Jackson oder dem mittelalten James Brown. In der Metropole wäre Stallworth ein Player, ein Macher, ein Tanzboden-König. Doch der junge Mann ist im US-Hinterland, in Colorado Springs, das ist eher Augsburg als Berlin. Und er ist auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch bei der örtlichen Polizei.

Tatsächlich stellt man ihn auch ein – seine Vorgesetzten murmeln etwas von Diversität in ihrer Dienststelle. Sie stecken ihn erst einmal ins Polizei-Archiv, wo ihn die neuen weißen Kollegen genauso achtlos, herablassend und rassistisch behandeln wie alle Afro-Amerikaner, denen sie begegnen. Ein elender Job, dem Stallworth nur entkommt, weil man einen Schwarzen für einen Undercover-Einsatz braucht: Der Bürgerrechtsaktivist und Ex-Black Panther Stokeley Carmichael, der sich jetzt Kwame Ture (Corey Hawkins) nennt, hält eine Rede vor schwarzen Studenten, Stallworth soll mit Mikro am Leib Beweise für strafrechtlich relevante Agitation finden. Stattdessen findet er die Aktivistin Patrice (Laura Herrier), so engagiert wie wunderschön. Nach dem Einsatz ist Stallworth verknallt – und befördert zur Undercover-Abteilung.

Spike Lee zieht eine klare Linie

Das ist die erste halbe Stunde von „BlacKkKlansman“, in der der Regisseur Spike Lee den Ton und die Ausrichtung seiner Geschichte vorzeichnet. Weiße, auch Polizisten, neigen zum Rassismus, Schwarze sind attraktive Idealisten, und mittendrin ist Stallworth.

Der ist ein netter Kerl, weder radikal noch Duckmäuser, grundsympathisch, aber lange auch nie wirklich ganz ernst. Eher aus einer Sektlaune (oder Langweile) heraus ruft der schwarze Polizist beim Ortsverein des Ku Klux Klan an, gibt sich als gleichgesinnter Weißer aus, der alle gängigen Hass-Formeln herunterrattert und nur allzu gern am Kampf der angeblichen Herrenrasse als KKK-Mitglied teilnehmen möchte. Gerne möchte man ihn kennenlernen, wie wäre es mit einem baldigen Treffen? Ron Stallworth amüsiert das Telefonat mächtig. Aber – wie soll ein schwarzer Polizist undercover den Klan infiltrieren? So wird aus einer lustigen Idee dann ernst: Stallworth recherchiert und telefoniert sich gekonnt in der Klan-Hierarchie hoch bis zum „Grand Wizard“ David Duke (Topher Grace), sein jüdischer Kollege Flip Zimmerman (Adam Driver) spielt die Rassisten-Fiktion „Ron Stallworth“ bei den Treffen.

Spike Lee zieht mit seinem Film eine klare Linie. Vom Ende des US-Bürgerkriegs über den filmischen Klan-Erweckungsruf „Birth of a Nation“ von D. W. Griffith und „Vom Winde verweht“ über die Salon-Rassisten der Fünfziger und Sechzigerjahre, die gewaltbereite KKK-Phase der späten Siebziger bis ins Hier und Heute, zu Trump, Charlottesville und den als „Alt-Right“ verkleideten Nazis der Neuzeit. Lee ist dabei so leidenschaftlich wie unterhaltsam, er benutzt mal Thriller-Motive, findet Komik in der Katastrophe. Man schmunzelt über den hier gezeigten Klan, einen ausgemachten Deppen-Verein, bis einem das Lächeln einfriert: Dort wie hier sind auch dumme Menschen hochgefährlich, wenn sie Waffen horten oder sich von „Kameraden“ beim Militär Sprengstoff beschaffen lassen. „BlacKkKlansman“ hat in Cannes den Großen Preis gewonnen, der Film ist in heutigen Zeiten zweifellos sehr wichtig.

Richtig und wahr ist indes nicht alles an Lees Film. Erzählerisch ist „BlacKkKlansman“ eher Potpourri denn klar definierte Geschichte; Lee hat bessere Filme über Rassismus und die afro-amerikanische Realität gedreht: „Jungle Fever“, „Malcolm X“ und vor allem „Do The Right Thing“. Wie mäandernd Lee diesmal inszeniert, sieht man gut am Ende, auf jeden Schlusspunkt folgt ein weiterer und dann noch einer. Und noch einer. Spike Lee will viel sagen, alles anschneiden. Aber vieles verläuft sich oder bleibt doch nur ein Nebensatz. 

Problematisch ist auch etwas anderes: Ausladend hat Lees junger Regie-Kollege Boots Riley „BlacKkKlansman“ als verlogene Huldigung der amerikanischen Polizei angeklagt und kritisiert, dass Lee damit wirbt, eine „wahre Geschichte“ abzubilden, aber einiges verschweigt und vieles dazuerfindet. Denn der echte Ron Stallworth war eben nicht mal einen Abend undercover bei schwarzen Aktivisten, sondern unter ihnen drei Jahre als Maulwurf und Saboteur tätig, Stallworths Partner war kein Jude, es gab keinen versuchten Bombenanschlag. Keine kleine Klatsche für Spike Lee, der die Wahrhaftigkeit seines Films auf jedem Werbemittel und zum Auftakt seines Films offensiv hervorkehrt.

BlacKkKlansman, USA 2018. Regie: Spike
Lee, Drehbuch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott & Spike Lee, Kamera: Chayse, Darsteller: John David Washington, Adam Driver, Laura Harrier, Topher Grace, u.a.; Farbe, 135 Minuten. Frei ab 12 Jahren.