Das Logo der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) ist am Tor zur Villa von der Heydt zu sehen. 
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BerlinAls der Wissenschaftsrat im Juli seine „Empfehlungen“ für die Zukunft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz überreichte, war das auch eine vernichtende Quittung für Fehlentwicklungen, die vor allem in den 1990er-Jahren begonnen haben. Vorangetrieben wurden sie vom Bund und seinen Kulturstaatsministern, seit 2013 Monika Grütters, von den 16 die Stiftung mit tragenden Bundesländern, von der Stiftungsspitzen unter den Präsidenten Klaus-Dieter Lehmann und seit 2008 Hermann Parzinger. Gefordert wurden im Juli Dezentralisierung, Autonomie für die Bibliotheks-, Instituts- und Museumsleitungen, indirekt weniger Einfluss der Politik und direkt deutlich mehr Geld sowie, das war der Paukenschlag, die Auflösung der Stiftungshauptverwaltung. Die Oberaufsicht für die dann selbstständigen Institutionen sollte stattdessen im Wesentlichen an den Bund und das Land Berlin übertragen werden.

Die Länder signalisierten sofort, dass sie einer solchen Entmachtung nicht zustimmen würden. Nun hat der von ihnen dominierte Stiftungsrat nach einer langen, turbulenten Tagung eine „Reform-Kommission“ eingesetzt. Ihre Mitglieder: Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Stiftungspräsident Hermann Parzinger, sein Vizepräsident Gero Dinter, die Kultursenatoren Berlins und Hamburgs Klaus Lederer (Die Linke) und Carsten Brosda (SPD), die parteilose Kultur- und Wissenschaftsministerin Nordrhein-Westfalens, Isabel Pfeiffer-Poensgen, und der für Kultur zuständige Staatsminister Sachsen-Anhalts, Rainer Robra (CDU). Sie sollen, so Hermann Parzinger zur Berliner Zeitung, dann jeweils den Direktor oder die Direktorin der gerade behandelten Institutionen zu ihren Beratungen hinzuziehen.

Dominant sind also in der Reform-Kommission wieder fünf Politiker und die Stiftungsspitze, denen jeweils nur ein Fachbeamter gegenübersitzen soll. Die Zusammensetzung deutet an, dass es vor allem um Museumsfragen gehen soll, aber auch die anderen Stiftungsinstitutionen brauchen eine Reform. Zwar will Parzinger, wie er mitteilte, auch Fachleute von außen und die Mitarbeiter zu Rate ziehen. Doch werden diese nur beraten, nicht aber entscheiden können. Es ist also mindestens erstaunlich, dass in der Kommission nicht wenigstens zwei oder drei externe Fachleute stimmberechtigt sitzen, die keine Karriere in der Stiftung mehr anstreben, also unabhängig agieren können.

Offener Brief der Museumsdirektoren

Für einen wirklichen Reformprozess unabdingbar sind die Generaldirektoren der Staatsbibliothek, des Staatsarchivs, der Staatlichen Museen und des Ibero-Amerikanischen Instituts. Warum wurden sie nicht ebenfalls als dauerhafte Mitglieder der Kommission berufen? Zumal die Bereitschaft der Mitarbeiter, mehr Verantwortung zu tragen, vor zwei Wochen mit dem sensationellen Offenen Brief der Museumsdirektoren öffentlich geworden ist. Jeder weiß auch um die immense Macht von Betriebsräten und die beharrende Kraft des öffentlichen Dienstrechts. Nun fürchten die Mitarbeiter aber wieder ein Top-down-Durchregieren von Grütters und Parzinger. Unvorstellbar, dass ein großer Industriekonzern seine Reform so kurzsichtig organisierte.

Monika Grütters hat darauf bestanden, so berichten Teilnehmer, dass die Mitglieder der Reform-Kommission nicht nur als Ländervertreter, sondern als Personen berufen werden. Doch Klaus Lederer ist keine Gefahr für eventuelle Pläne von Grütters oder Parzinger: In den Debatten um das umstrittene Museum der Moderne zeigte sich, dass das Land Berlin, in dem die Stiftung residiert und in das sie am meisten investiert, selbst abstruseste Projekte abnickt, solange es nicht zahlen muss. Auch Hamburg und Sachsen-Anhalt erhalten immer wieder viele Millionen aus dem Bundeshaushalt, sind auch institutionell etwa über die Bauhaus-Stiftung oder die Gartenreich-Stiftung eng mit der Kulturstaatsministerin verbunden.

Isabel Pfeiffer-Poensgen aus NRW ist die Hoffnungsträgerin

Von Carsten Brosda und Rainer Robra müssen Grütters und Parzinger also nicht mit scharfer Gegenrede rechnen. Anders Nordrhein-Westfalen: Es war ebenfalls gesetzt, trägt den größten Beitrag unter den Bundesländern. Doch mit Isabel Pfeiffer-Poensgen hat NRW eine erfahrene und unabhängige Kulturministerin. Sie agiert meist ohne Hilfe des Bundes, ist also die Hoffnung vieler in der Stiftung, dass sich doch etwas ändert.

Denn was bringt ein solch handverlesenes Gremium der Stiftung? Werden diejenigen, die den Museen und Bibliotheken die Autonomie raubten, sie zurückgeben? Werden sie die Mitarbeiter einbinden? Wird es weniger Bürokratie, weniger Hierarchie, weniger Gremien geben? Die erste Tat der Reform-Kommission war jedenfalls nichts Dringenderes als – die Einrichtung einer weiteren Geschäftsstelle.