Werner Hansch, gewinnt bei „Promi-Big-Brother“
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Für die Anhänger des Trash-Fernsehens ist es eine bereits veraltete Nachricht. Der frühere Sportkommentator Werner Hansch hat am Freitagabend die diesjährige Ausgabe des Sendeformats „Promi Big Brother“ gewonnen. Der 82-Jährige sei, so heißt es, weltweit der älteste Gewinner einer vergleichbaren Reality-TV-Sendung.

Der als schlagfertig bekannte Moderator Hansch nahm seinen Triumph mit Rührung, aber auch einer gewissen Demut entgegen. Er hoffe, nun in eine „befreitere Lebensphase“ eintreten zu können. Im Verlauf der Sendung hatte Hansch bekannt, eine schwere Spielsucht durchlitten zu haben. Bei einem Gastauftritt bei „Promi Big Brother“ hatte er vor einigen Wochen seinem Freund, dem früheren Fußballmanager Rainer Callmund, gestanden, im buchstäblichen Sinne Haus und Hof verspielt zu haben.

Werner Hansch ist alt und braucht das Geld. Mehrfach ließ er durchblicken, dass ihn die 100.000 Euro-Siegprämie von „Promi-Big-Brother“ zunächst von den größten finanziellen Sorgen entlasten würde. Hansch ist von den Fernsehzuschauern, die über den Sieger der Sendung abstimmen, dafür belohnt worden, dass er es zugelassen hat, sie sehr tief in seine Seele blicken zu lassen. Eine Mitbewerberin – keine Ahnung, für was sie berühmt ist – raunte ihm zwischenzeitlich fragend zu, ob er „das hier“ überhaupt überleben würde.

Werner Hansch ist nicht die erste Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die in einer solchen Sendung über menschliche Schwächen und existenzielle Nöte gesprochen hat. Bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ hatte der frühere Fußball-Nationaltorhüter Eike Immel ebenfalls seinen sozialen Abstieg thematisiert.

Werner Hansch hat in der Sendung bekannt, eine halbe Million Euro verloren zu haben. Für den Fernsehzuschauer stellt sich das so dar, als sei er vorübergehend von einer schlimmen Spielsucht befallen gewesen. Blickt man etwas genauer in Hanschs Biografie, beginnt man zu ahnen, dass das weniger als die Hälfte der ganzen Geschichte sein könnte.

Einen Großteil seines Geldes hat Hansch nach eigener Auskunft durch Pferdewetten verloren. In der Welt der Pferderennen ist Werner Hansch seit Jahrzehnten zu Hause. Lange vor seiner Karriere als Radio- und TV-Reporter war er Rennkommentator auf der Trabrennbahn in Dinslaken. Bei einem Bundesliga-Spiel von Schalke 04, wo er als Stadionsprecher engagiert war, stellte er den Torhüter Norbert Nigbur einmal als Mann mit der Startnummer 1 vor. Rückennummer, Startnummer. Das kann man schon einmal verwechseln.

Mit vielen Pferdebesitzern, Züchtern und Trainern war Hansch über Jahrzehnte befreundet, binnen mehr als 40 Jahren hat er viele Dutzend Pferdeverkäufe als Auktionator abgewickelt. Dabei war es seine Aufgabe, die Bieterlust aus dem Publikum herauszukitzeln. Hinter den Kulissen galt Hansch als jemand, der jeden Groschen zusammenhält. In der Welt, in der viel Geld über den Wett-Tresen geschoben wird, gibt niemand gern preis, dass das launige Eifern und Hoffen um das Wissen über die Form der Rennpferde zu einem bösen Spiel unerbittlicher Zwangshandlungen werden kann.

Gut möglich, dass Werner Hansch nun für diverse Talk-Shows ein gefragter Mann ist. Reden kann er. Im Kontext der Fernsehshows verheißt seine Geschichte eine große Portion Authentizität. Das ist in der Fernsehwelt derzeit die am stärksten nachgefragte Währung.