Berlin - Print wirkt. Und Medien haben eine Verantwortung. Das sollte man sich als Journalist immer mal wieder hinter die Tastatur schreiben. Gelegentlich müssen die Leser uns daran erinnern, indem sie auf Fehler aufmerksam machen. Da hilft es nicht zu antworten, dass niemand vor Fehlern gefeit sei. Denn erstens haben wir eine besondere Sorgfaltspflicht und sollten uns gegenseitig kontrollieren, und zweitens haben manche Falschinformationen schwere Folgen. Hier sei nicht die Rede von unglücklichen Vertippern bei Terminhinweisen, der unkorrekten Schreibung von Buchtiteln, einer Null zu viel oder zu wenig bei Statistiken. Alles schlimm genug. Es soll aber ums Emotionale gehen.

Eine langjährige und gutwillige Leserin der Berliner Zeitung rief neulich an, um zu fragen, warum ich den Satz geschrieben habe: „Wer will schon in Dortmund wohnen?“ Ich möge mir einmal überlegen, was ich empfände, wenn die gleiche Frage zu Berlin gestellt würde. Nun, der Satz war lustig gemeint, er sollte einen Bogen ziehen zum Beginn der Rezension des Films „Töchter“. Da beklagt sich Josef Bierbichler als männliche Hauptfigur bitterlich über die Stadt, die er zum Sterben verlässt.

Grönemeyer mag Düsseldorf nicht

Vor Jahrzehnten schrieb einmal ein aus dem Westen stammender und längst nicht mehr hier arbeitender Kollege in einem Leitartikel: „In Nordrhein-Westfalen möchte man nicht tot überm Zaun hängen.“ Eine sehr starke Formulierung, wenn auch weitgehend sinnfrei. Denn wer möchte überhaupt irgendwo als Leiche herumlungern? Wenn schon tot, dann doch bitte unter der Erde. Dortmund liegt in NRW, die Landeshauptstadt heißt Düsseldorf. Vielleicht hat mich auch die Ablehnung, die Herbert Grönemeyer in seinem „Bochum“-Song für Düsseldorf zum Ausdruck bringt, zu meiner unfreundlichen Dortmund-Bemerkung veranlasst. Von Berlin aus sieht das sowieso alles gleich weit weg aus. Und wenn ich eine Sache an uns Berlinern nicht leiden kann, dann ist es diese Arroganz.