Mallorca - Für Touristen ist Mallorca ideal: Sie reden einfach drauf los, und irgendjemand wird sie schon verstehen. Egal, ob auf Deutsch oder auf Englisch. Manche bringen auch ein paar Brocken Spanisch mit. Schließlich gehört Mallorca, die Hauptinsel der Balearen, zu Spanien. Allerdings sprechen viele Einheimische untereinander noch eine andere Sprache sprechen: Katalanisch. Nach dem Regionalstatut hat „die katalanische Sprache gemeinsam mit der kastilischen“ – also der spanischen – „den Charakter der offiziellen Sprache“. Trotzdem ist die Sprachenpolitik Anlass für unversöhnlichen Streit.

Auf den Balearen wird schon lange Katalanisch gesprochen: seit der aragonesische König und Graf von Barcelona, Jakob der Eroberer, im 13. Jahrhundert die damals dort herrschenden Mauren von Mallorca vertrieb. Das Königreich Aragón und damit die Balearen gingen in der frühen Neuzeit im spanischen Reich auf, doch die Menschen sprachen neben dem dominierenden kastilischen Spanisch weiter Katalanisch – trotz mancher Unterdrückungsversuche, zuletzt während der Franco-Diktatur (1939–1975).

„Erzieherischer Unsinn“

In den vergangenen demokratischen Jahrzehnten erlebten beide Sprachen auf den Balearen ein friedliches Miteinander. Was dadurch erleichtert wird, dass Katalanisch und Spanisch eng miteinander verwandt sind. Unruhe kam vor drei Jahren auf. Damals wählten die 1,1 Millionen Einwohner der Balearen ein neues Regionalparlament, und sie stimmten mit überwältigender Mehrheit für die konservative Volkspartei.

Der neue Ministerpräsident, José Ramón Bauzá, fand, dass dem Spanischen auf den Balearen etwas mehr Raum gegeben werden müsse. Zuerst nahm er sich den öffentlichen Dienst vor: Katalanisch-Kenntnisse waren auf vielen Verwaltungsposten von nun an keine Voraussetzung mehr. „Die Kenntnis unserer Sprache“ – also des Katalanischen – „sollte gefördert und nicht auferlegt werden“, hieß es. Das klang maßvoll, doch die Gegner der neuen Verordnung sprachen von einer „brutalen Attacke auf das Katalanische“. Eine weitere Gesetzesänderung bestätigte sie in ihren Befürchtungen. Statt den Unterricht wie bisher vornehmlich auf Katalanisch zu erteilen, sollten die Lehrer ab diesem Schuljahr zu gleichen Teilen auf Spanisch, Katalanisch und Englisch unterrichten.

„Erzieherischer Unsinn“, findet Miquel Àngel Tortell vom Lehrerverband, der nicht allein gegen das neue Modell kämpft. Im September gingen auf allen vier Inseln rund 100.000 Menschen gegen das Projekt auf die Straße, und drei Wochen lang streikten die Lehrer. Seitdem hat sich die Lage nicht wieder beruhigt. Wie in ganz Spanien kämpfen die Lehrer gegen Kürzungen in den Schuletats und auf den Balearen außerdem für den Unterricht auf Katalanisch.

Varianten des Katalanischen

Ein Lehrer aus Llucmajor bei Palma de Mallorca ist deswegen am 8. Mai sogar in den Hungerstreik getreten. „Mein Leben liegt in den Händen von Bauzá“, sagt Jaume Sastre, der seit fünf Wochen nur noch gezuckertes Wasser zu sich nimmt. Die Sprecherin der Regionalregierung, Nuria Riera, appellierte vor wenigen Tagen an den „gesunden Menschenverstand“ des Hungernden. Doch Sastre will weiter fasten, solange bis die Regierung sich zumindest bereit erklärt, mit den Lehrern zu verhandeln.

Bisher gibt es keine Anzeichen, dass Ministerpräsident Bauzá vom einmal eingeschlagenen Weg abweichen will. Ihm fällt es schon schwer, nur das Wort „katalanisch“ in den Mund zu nehmen. „Auf Mallorca spricht man Mallorquín, auf Menorca Menorquín, auf Ibiza Ibicenco und auf Formentera Formenterense“, sagte er vor einem Jahr auf eine Frage der Lokalzeitung Diario de Mallorca. Er hat Recht. Doch alle vier Sprachen sind: Varianten des Katalanischen.

Die Menschen auf den Balearen werden sie weiter benutzen – und mit den Touristen Deutsch und Englisch reden. Die Dreisprachigkeit an den Schulen ist unterdessen noch nicht weit vorangekommen. Das Modell werde „in den wenigsten Schulen“ in der geplanten Form umgesetzt, berichtete vor wenigen Tagen die deutschsprachige Mallorca-Zeitung.