Seit dem 19. Jahrhundert wird Schweinepriester ausschließlich als Beschimpfung benutzt, während es davor Schweinehirten im Klosterdienst bezeichnete, zu deren Aufgaben auch die Kastration der Ferkel gehörte. Die Übertragung von der Berufsbezeichnung zum Schimpfwort ähnelt der von „Schweinerey“ und „Sauerei“, womit ursprünglich die Schweinezuchtanlagen bezeichnet wurden, die dann aber, ans Wort „Schmutzerey“ angelehnt, zur Bezeichnung entweder hygienisch oder moralisch unreinlicher Zustände dienten.

Auch in Druckereien konnte es schlimm zugehen, Heine schrieb 1854 aus Paris an seinen Verleger Julius Campe: „Ich hatte in meinem letzten Brief, da die Post dem Abgang nahe war, keine Muße, Ihnen über die Schweinerey zu schreiben, welch in der Halleschen Druckerey zu walten scheint. Ich ließ Ihnen durch meinen Freund nur flüchtig wissen, dass von der 49ten Seite bis gegen Ende der 57sten Seite alles wieder abgedruckt worden, was schon in dem früheren Bogen, Seite 41 in der Mitte bis Seite 48 unten abgedruckt war.“

Ähnlich ist durchaus auch die Karriere des „Schweinehundes“. Der Schweinhund war ursprünglich ein gemeiner Bauernhund, den der Schweinehirt bei seiner Herde hielt wie der Schäfer seinen Schäferhund. Doch schon in der Oeconomischen Encyclopädie von Johann Georg Krünitz erscheint Anfang des 19. Jahrhunderts ebenfalls die Bedeutung: „In der niedrigsten Sprechart, ein im höchsten Grade unreinlicher Mensch.“

Gleiches gilt auch für den „Schweinigel“. Ausgestorben sind die in diesem Zusammenhang zu nennenden Schimpfwörter „Schweinpelz“ und „Saupelz“ für jeweils eine liederliche, unreine Person oder einen Trunkenbold.

Aber zurück zum Schweinepriester, 1915 erschien in Berlin „Der Schweinepriester“, ein Lustspiel in vier Aufzügen von Hermann Essig (1878 bis 1918), in dem neben dem Pfarrer von Miesbach auch der gottlose Michel, der Büttel, der Schweineschlächter Seidenspinner, der Elefantenschmied, der Schnabelfatzer sowie Mischa, das Schwein mitspielen. Der harte Umgang des Gottesmannes mit dem Paarhufer reißt seine Schäfchen zu dem Schimpfwort gegen ihn hin.

Aber mit Mischas Schlachtung gibt es ein Happy End: „Die Betglocke läutet. Die Leute entblößen die Häupter zu einem stillen Gebet. In der Dunkelheit phosphoreszieren die zwei Sauhälften wie um ein Kreuz.“ Essig musste seinen Schweinepriester im Selbstverlag veröffentlichen, obwohl der renommierte „Sturm“ 1911 über ihn geurteilt hatte: „Man würde den Hermann Essig einen grausamen Psychologen nennen, [...] er kann noch da lächelnd geniessen, wo ein Strindberg tobt und anklagt.“

Ein anderer Zeitgenosse urteilte: „Durch die dramatische Form werden ihre Begebenheiten zur unmöglichen Groteske. Die Form der Novelle hätte den Schweinepriester und die Pfarrsau vielleicht unsterblich gemacht.“

Unter demselben Titel „Der Schweinepriester“ erschien 1987 ein Comic des französischen Zeichners Jean-Marc Reiser (1941−1983). Der Schweinepriester ist lediglich mit Zigarette und zu weiter, im Schritt uringelber Unterhose bekleidet, durch deren Beinöffnung man die Eier sieht. Seine Vorlieben sind Furzen im Fahrstuhl, Popel essen, Blondinen an den Hintern greifen, vom Dreimeterbrett pinkeln, auf Erdbeeren niesen, und schon endet dies erfüllte Leben.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist „Schweinepriester“ eine moderate Beschimpfung, fast eine freundliche Bezeichnung für Personen, denen man nicht wirklich böse sein kann. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel benutzt das Wort 2009 als Überschrift, um an den allseits beliebten Robert Lembke von „Was bin ich?“ anlässlich seines 20. Todestages zu erinnern. Auch unser Trainer Hans Meyer gebrauchte bei der Fußball-WM der Schriftsteller 2005 in Italien das Wort zur Benennung der Schweden, die im Endspiel prompt 5:0 gegen Deutschland gewannen.