Der Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner bot am Mittwoch eine Wette an. Er behauptet: „Axel Springer wird in fünf Jahren eine wesentlich gewichtigere Rolle im Qualitätsjournalismus spielen als heute.“ Zweierlei lässt ihn hoffen, die Wette zu gewinnen. Springer müsste es schaffen, erfolgreiche Bezahlmodelle für digital angebotene journalistische Inhalte seiner verbliebenen Zeitungsmarken Bild und Welt zu etablieren. Die andere Hoffnung stützt sich darauf, die Welt-Redaktion konzernübergreifend als Inhalte-Lieferant für Dritte zu vermarkten, ähnlich einer Nachrichtenagentur wie dpa.

Zwei Jahre Arbeitsplatzgarantie

Den Anfang machen könnte die Funke-Gruppe, ehemals WAZ, die von Springer sämtliche Frauen- und Programmzeitschriften sowie das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost kaufen wird. Die Redaktion der Morgenpost wird dann an den Kurfürstendamm ziehen, wo bisher die B.Z. saß, die ihrerseits in die Bild-Redaktion eingegliedert wird und damit ihre Eigenständigkeit weitgehend verliert. Das finale Vertragswerk für den Funke-Deal soll im vierten Quartal unterschriftsreif sein, das Ergebnis der kartellrechtlichen Prüfung erwartet Springer nicht vor Jahresende.

Zumindest in den ersten 24 Monaten danach ist der Arbeitsplatz der mitsamt den Zeitungen verkauften Mitarbeiter von Morgenpost und Abendblatt zu den derzeit geltenden Bedingungen sicher. Genau so lange wird die Redaktion der Welt wie bisher überregionale Inhalte an das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost liefern. Geht es nach dem Springer-Chef Döpfner, könnten künftig aber auch andere Funke-Zeitungen, von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung über die Westfalenpost bis zur Thüringer Allgemeinen, ihre überregionale Berichterstattung von Springers Welt in Berlin beziehen. Den sogenannten Content-Desk, die Zentralredaktion am Stammsitz in Essen, könnte sich Funke damit sparen – und Springer hätte eine zusätzliche Geldquelle.

Erstmals Zahlen lieferte Springer am Mittwoch für die seit einem halben Jahr angebotenen Digital-Abos der Welt. Demnach haben 47.000 Nutzer die Welt digital abonniert, was gut einem Fünftel der Print-Auflage in Höhe von 227.248 Exemplaren (inklusive Welt Kompakt) entspricht. Zum erst im Juni eingeführten Marken-Abo Bild plus äußert sich Springer noch nicht.

Für dieses Jahr prognostiziert Döpfner aus dem Vertrieb von Digital-Abos einen mittleren einstelligen Millionenbetrag an Umsatz. Das sei zwar niedrig, könne sich aber im Zuge der weiteren Verbreitung entsprechender Endgeräte schnell ändern: „Multimedialen Marken-Abos gehört die Zukunft“, ist Döpfner überzeugt. Ob auf Papier, am Smartphone, am PC oder auf dem Tablet: Die Menschen gewöhnten sich daran, für jede Situation entsprechend Medien zu konsumieren.

Springer konzentriert sich journalistisch also allein auf Bild und Welt und ansonsten darauf, den Konzern in ein digitales Unternehmen umzubauen. Von Investitionen profitieren werden vor allem die Inhalte- und Rubrikenportale. Döpfner bestätigte sein grundsätzliches Interesse an der scout-24-Gruppe der Deutschen Telekom. Das Geld für dieses milliardenschwere Investment hat Springer. Döpfner betonte aber, sich „nicht zu irrationalen Bewertungen hinreißen lassen“ zu wollen.

Schockierender Kaufpreis

Gerade mal 188 Millionen Euro, wie am Montag Amazon-Chef Jeff Bezos, hätte Döpfner dagegen gern locker gemacht, um die Washington Post zu kaufen. „Dafür hätte ich sie auch genommen“, sagte der gelernte Journalist und bezeichnete den Kaufpreis als „schockierend“. Die besorgniserregende Einschätzung von Zeitungswerten in den USA „bestätigt uns darin, sich auf das zu konzentrieren, was man am besten kann“. In Springers Fall seien das „überregionale Marken für Qualitäts- und Massenzielgruppen“, also Bild und Welt, wobei Letztere „erstmals eine Bestandsgarantie“ durch Mehrheitsaktionärin Friede Springer erhalten hat, betonte Döpfner, schränkte aber ein: Diese gelte für den Bestand als Marke, nicht als gedruckte Zeitung. „Im Moment“ und „auf Sicht“ sei eine Umstellung auf „elektronisches Papier“ jedoch „überhaupt kein Thema“.