Berlin - Fangen wir ausnahmsweise mal hinten an. Am Po. Er schmerzt ziemlich am Tag nach dem Squash-Schnuppertraining. Aber Experte Alexander Korsch hatte mich vorgewarnt: Ich werde gehörig Muskelkater haben, sagte der 55-Jährige, als wir nach eineinhalb Stunden das „Court“ genannte Spielfeld verlassen.

Doch von vorne: An diesem Vormittag haben wir die freie Wahl unter den sieben Courts im Insel Sports Club Marienfelde, kein anderer will zu diesem Zeitpunkt den kleinen Gummiball gegen die Wand donnern. Bevor wir loslegen, steht Warmmachen auf dem Programm. Nicht nur für uns, sondern auch für den Ball. Alexander Korsch rollt ihn unter seiner Schuhsohle hin und her.

Der Trainer bekommt was ab

Ein kalter Ball springt nicht so gut, erklärt der Mann, der diesen Sport seit 30 Jahren betreibt, mit seinem Verein Fit fun gerade in die Regionalliga – die zweithöchste Spielklasse – aufgestiegen ist und dem Berlin-Brandenburger Squash-Verband seit 20 Jahren als Präsident vorsteht.

Der Ball ist warm und weich, als Alexander Korsch ihn unter seiner Schuhsohle hervorholt und mir reicht. Die kleine Kugel würde auch im Spiel weich werden, bei jedem Aufprall an der Wand ein bisschen mehr. Vom englischen Verb squash für zusammenpressen hat die Sportart ihren Namen. Der Ball kommt aber auch anderweitig zum Einsatz: Nachwuchsspieler bekämen ihn unter die Achsel geklemmt, damit sie lernen, den Oberarm eng am Körper zu halten und mit dem Schläger nicht – wie beim Tennis – zu weit auszuholen.

Dass Alexander Korsch das relativ früh zu Beginn unseres Trainings erklärt, hat einen Grund: Bei einem der ersten Ballwechsel erwische ich ihn prompt mit meinem Schläger, er steckt den Klaps ohne Klagen weg. Squash ist eine der wenigen Rückschlagsportarten, bei dem sich die Spieler nicht gegenüberstehen, sondern nebeneinander. Und manchmal eben auch nah beieinander.

Zum Glück muss ich mir keine Bälle unter die Achsel klemmen. Das hätte es schwieriger gemacht, die Bälle zu treffen. Zwar erreiche ich viele der Bälle, die mir der Trainer zuspielt, aber nicht immer fliegen sie – zum Leidwesen der Fotografin – in die Richtung, die ich angepeilt habe. Wobei es unwichtig ist, an welcher der vier Wände der Ball landet, Hauptsache er berührt eine. Ziel des Spiels ist es, den Ball so zu platzieren, dass der Gegner ihn nicht mehr erreichen kann, bevor er zum zweiten Mal den Boden berührt.

Mein Ziel ist erst einmal, halbwegs richtige Vorhand- und Rückhand-Ballwechsel hinzubekommen. Alexander Korsch zeigt mir, wie ich den Schläger richtig halte und wie ich Bälle am besten annehme. Wir üben erst die Vorhand, dann die Rückhand, die erstaunlicherweise besser klappt als gedacht.

„Squash ist vergleichsweise leicht zu erlernen“, sagt der Mann aus dem brandenburgischen Mahlow, die Regeln könne man sich gut alleine aneignen. Etwa dass der obere rote Strich, der sich über alle vier Wände des Courts zieht, die Auslinie ist und der Ball folglich darunter aufkommen sollte. Oder dass der Ball beim Aufschlag über die mittlere Linie an der Frontwand zu spielen ist. Freizeitspieler bräuchten nicht zwingend einen Lehrer, sagt Korsch, der selbst über eine Trainerlizenz der zweithöchsten Kategorie B verfügt. Ein Trainer sei aber sofort empfehlenswert, wenn man merke, dass man Squash ernsthaft, vielleicht sogar wettkampfmäßig betreiben will. „Falsch gelernte Technik zu korrigieren, bedeutet einen siebenmal höheren Aufwand, als es gleich richtig zu lernen“, sagt Korsch.

Es ist 20 Jahre her, dass ich mit Freunden Squash gespielt habe, fachkundige Anleitung hatten wir nie. In den 2000er-Jahren habe ich meinen Squashschläger dann auf einem Kreuzberger Flohmarkt verkauft, nachdem er jahrelang ungenutzt herumgelegen hatte. Das ist typisch: In den 90er-Jahren hat der Hochtemposport geboomt, nach der Jahrtausendwende ging es bergab. „Etwa die Hälfte der Squashcenter in Berlin hat in den vergangenen Jahren geschlossen“, berichtet Alexander Korsch. Die Eigentümer vieler Immobilien mit derartigen Sportanlagen merkten, dass etwa eine Nutzung als Einkaufscenter für sie lukrativer ist, besonders in zentralen Lagen. Die Randlagen der Squashcenter machten es fortan nicht einfacher, neue Spieler zu gewinnen.

Ob ich zu dem Sport zurückfinde? Alexander Korsch gibt sich große Mühe: Er berichtet, dass das Verletzungsrisiko niedriger sei als vielfach kolportiert, dass Frauen hochwillkommen sind in dieser von Männern dominierten Sportart, und er verweist auf den Kalorienverbrauch, der deutlich höher sei als etwa beim Joggen. Dass das stimmt, merke ich gegen Ende des Schnuppertrainings. Da spielen wir 20 Minuten richtig, zumindest fühlt es sich für mich so an.

Falscher Fuß, ständige Sprints

Mal kommt der Ball auf der Vorhand, mal auf der Rückhand, mal weit vorne im Feld, mal eher hinten, mal von der Seite. Alexander Korsch ist so freundlich, mir zuzurufen, was mich erwartet. So kann ich versuchen, das zu Beginn des Schnuppertrainings Erlernte abzurufen. Das klappt nicht immer. „Falscher Fuß vorn“, schimpfe ich mich selbst. Manchmal bin ich einfach zu langsam, obwohl das Spielfeld mit 9,75 Metern Länge und 6,40 Metern Breite ja nun wirklich nicht groß ist. Die ständigen Sprints, das rasche Abbremsen bringen mich schnell außer Atem. Aber Spaß macht es auch, vor allem wenn der Ball mit Wumms gegen die Wand donnert. „Das gibt aber Muskelkater“, warnt mich der Trainer.

Doch das ist mir in dem Moment egal, ein paar Minuten gehen noch.