Staatsballett Berlin: Das sind die Pläne der designierten Intendanten Sasha Waltz und Johannes Öhman

Berlin - Sasha Waltz sieht blass aus und ernst. Aber die Nachrichten, die sie und ihr designierter Mit-Intendant des Staatsballetts zu verkünden haben, sind gut. Gut für das Staatsballett und wohl auch für die Tanzkunst in Berlin.

Seit der Regierende Bürgermeister Michael Müller, damals noch in seiner Funktion als Kultursenator, die Nichtverlängerung des Vertrags von Staatsballettintendant Nacho Duato verkündete und Sasha Waltz sowie den Schweden Johannes Öhman als neue Doppelspitze für das Staatsballett berief, war die Empörung groß

Protest

Zum einen, weil diese Berufung unanständig früh vonstatten ging. Zum anderen, weil Sasha Waltz zwar als Choreografin internationalen Rang genießt, dies aber vor allem als Choreografin des zeitgenössischen Tanzes, nicht des klassischen Balletts. Die Wellen schwappten regelrecht über. Das Ensemble formierte sich zum Protest. 20000 Menschen unterschrieben die Petition des Ensembles, die die Berufung von Sasha Waltz doch noch verhindern sollte.

Jetzt haben sich Waltz und Öhman am Donnerstag zum ersten Mal mit dem Ensemble getroffen. „Die Atmosphäre war konstruktiv, der Dialog ist eröffnet“, sagt Sasha Waltz am Tag darauf auf der Pressekonferenz. „Wir haben gestern unter das, was vorher gewesen ist, einen Schlussstrich gezogen.“ Die Tänzer sind beruhigt. Das bestätigt auch die Sprecherin des Staatsballetts, Elinor Jagodnik, die spontan nach vorn aufs Podium gebeten wird.

Gute Nachrichten

Der Grund für die überraschende Wendung: Waltz und Öhman haben die Premieren für die erste von ihnen verantwortete Spielzeit bekanntgegeben, und sie hatten Nachrichten zu verkünden, mit denen so kaum jemand gerechnet hat

Das Staatsballett wird so klassisch bleiben, wie es in der Vergangenheit war (vom amtierenden Chef Nacho Duato wurde das klassische Ballett in den vergangenen drei Jahren eher ausgehöhlt). Und es wird so zeitgenössisch bleiben wir bisher. Auf den ersten Blick also gibt es keine großen Veränderungen. Auf den zweiten allerdings schon. 

Große Namen

Waltz und Öhman können mit spektakulären Neuigkeiten aufwarten. Alexei Ratmansky, der zu den weltweit interessantesten Choreografen des klassischen Balletts zählt, wird mit dem Staatsballett „Die Bajadere“ einstudieren. Nicht als Übernahme eines bereits bestehenden Balletts, sondern als neue Kreation. Auch andere große Namen fallen: Mats Ek und Marcia Haydée werden für das neue Staatsballett Stücke schaffen, von William Forsythe werden Arbeiten übernommen.

Was sich ändern wird mit Waltz und Öhman, ist das Niveau. Auch Duato hatte in letzter Zeit durchaus renommierte Choreografen ans Haus geladen. Doch dass er vor allem sich selbst programmierte, mit Arbeiten, die einem größeren Kunstanspruch nicht gerecht werden konnten, hat das Repertoire des Staatsballetts reichlich ruiniert.

Junge Choreografen

Was auffällt: Als die Namen der zeitgenössischen Choreografen fallen, schauen sich die versammelten Journalisten teilweise ratlos an. Richard Siegal wird kommen, aber auch eher Unbekannte, wie Sharon Eyal und Stijn Celis, Leiter des saarländischen Staatsballetts. „Normalerweise kommen die interessanten Werke des zeitgenössischen Tanzes erst mit zehn, 15 Jahren beim Ballett an“, sagt Öhman. „Das wollen wir ändern.“ Waltz erklärt, dass sie in der Entdeckung und Förderung jüngerer Talente eine ihrer Hauptaufgaben sieht.

Wie angekündigt wird sie in der Spielzeit 18/19 ein erstes abendfüllendes Stück mit dem Staatsballett herausbringen, mit Orchester. Überhaupt sei eine engere Zusammenarbeit mit der Oper und den drei Orchestern angestrebt. Gerade auch für den zeitgenössischen Tanz. Das wäre nicht nur für Berlin ein Novum. In der Regel kommt hier die Musik eher vom Band. Zeitgenössische Musik, die schwerer ihr Publikum findet, verbunden mit zeitgenössischem Tanz, das könnte auch für die Orchester ein Gewinn sein.

Ballett-Struktur bleibt

Deutlich wird auf der Pressekonferenz auch, dass die Basis der Compagnie das klassische Ballett bleiben wird. Es wird Tänzer mit unterschiedlichen Kompetenzen geben, wie Öhman erklärt, aber die Struktur des Balletts mit den ersten Solisten, den Halbsolisten und Gruppentänzern bleibt bestehen. Das widerspricht eigentlich den Konzepten des zeitgenössischen Tanzes. Aber bei der Brücke, die Waltz und Öhman zwischen den beiden Tanzkünsten schlagen wollen, gehört dieser Kompromiss dazu.

Waltz wird wie angekündigt ihre Compagnie Sasha Waltz & Guests, die 2018 ihr 25-jähriges Jubiläum feiert, nicht auflösen. Aber sie wird mittelfristig keine Stücke für die Compagnie entwickeln. Allerdings wird sie ihr Repertoire nicht in größerem Stil ans Staatsballett transferieren. „Um mehr Raum für andere zeitgenössische Choreografen zu lassen“, wie sie sagt. Auch das ist eine gute Nachricht. „50 Prozent klassisch, 50 Prozent zeitgenössisch“, so hatten es Waltz und Öhman im letzten September angekündigt – und genau so wird es jetzt auch gemacht.