Was für ein Fest! In Reih und Glied stehen die Damen und Herren am Hofe der Montagues. Schwer hat das weibliche Geschlecht an den üppigen schwarzen, golddurchwirkten Samtkleidern zu tragen. Düster orgeln aus dem Orchestergraben der Deutschen Oper die Schicksalstöne Sergej Prokofjews. Es herrscht spanisches Hofzeremoniell. Von hier gibt es kein Entkommen, nirgendwo. Das steht fest, lange bevor sich Romeo und Julia das erste Mal in die Augen blicken. Auch schon bevor Julias Verlobter, Graf Paris, dieses unwirklich schöne, zarte Geschöpf das erste Mal in die Lüfte hebt und sie so traumverloren schwebt, als wäre sie dort oben und nicht auf der Erde zu Hause.

Acht Mal ist Prokofjews „Romeo und Julia“ seit seiner Uraufführung im Jahr 1938 allein in Berlin inszeniert worden. Zuletzt kam vor 13 Jahren, ebenfalls an der Deutschen Oper, eine zu sehr auf billige Witze schielende Version von Youri Vamos’ heraus. Jetzt zeigt das Staatsballett den Klassiker in einer Fassung, die als die schönste der Ballettgeschichte gilt, die des südafrikanischen Choreografen John Cranko. Mit dieser „Romeo und Julia“ erweckte Cranko 1962 eine tot geglaubte Kunstform, das Handlungsballett, zu neuem Leben. Es war der Beginn dessen, was als Stuttgarter Ballettwunder bis heute fortlebt. Es lebt fort, obwohl der Meister selbst früh und abrupt 1973 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam.

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