Ein Museum, das up-to-date ist – auch die Museumswelt spricht denglisch – sendet online. Zumal sich die kulturpessimistische Vermutung, dass die Digitalisierung von Objekten die Aura der Originale beschädige, als falsch herausstellte: Je mehr Objekte im Netz als Bild verfügbar werden, desto größer ist das Interesse an ihrer dreidimensional-realen Existenz. Und dann ist da auch noch die Hoffnung auf eine Demokratisierung der Museen durch die möglichst vollständige Digitalisierung der Bestände, auf neue Publikumsschichten, jüngere, migrantischere, twitternde.

Also hat auch das Berliner Stadtmuseum seinen Auftritt überarbeitet und dabei den Punkt „Sammlung online“ eingestellt. 5500 Objekte, darunter etwa 1000 Stadtansichten, Teile des Riesen-Nachlasses, den der Theater-Fotograf Harry Croner produzierte, der in diesem Jahr digitalisierte Heinrich-Zille-Bestand.

Klicken wir also auf www.stadtmuseum.de, Unterpunkt „Sammlung online“, weitere Unterpunkte: Menschen, Orte, Epochen, Best of sowie Erweiterte Suche. Da gibt es Stadtansichten, Porträts von Bürgermeistern – mit Schlagseite zu Ost-Berliner Magistratsoberen, mancher West-Berliner Regierende hingegen fehlt. Frauenbilder, Fotografien West-Berliner Bauten der 50er- und 60er-Jahre. Porzellane, Eisenwaren, Postkarten, Berliner Typen bis hin zu den Affen Jaques und Tim aus dem Tierpark (wo sind die Helden aus dem Zoo?). Kurz: Ein Riesenspaß kann das Stöbern auf dieser Seite sein. Sogar für Besserwisser ist gesorgt: Eine Kommentarfunktion öffnet Tor und Tür für Bemerkungen, Erinnerungen, Literaturverweise. Die Vorhersage sei gewagt: Es werden sich Fachleute finden, die noch zu den abstrusesten Objekten Wissenswertes mitteilen wollen.

Manches ist im Stadtmuseum Online noch eher schwächlich vertreten: das neue Berlin, das seit 1990 entsteht, der weite Blick in die Mark Brandenburg. Provinziell berlinisch verengt zeigt sich hier das einstige Märkische Provinzial-Museum. Die Berliner Politik, erklärt Direktorin Franziska Nentwig, fordere von ihr die Beschränkung auf den Kirchturmblick. Das wirkt sich auch digital aus.

Denn das vom Abgeordnetenhaus chronisch unterfinanzierte Stadtmuseum kann nicht systematisch digitalisieren. Es muss Projektanträge stellen, die vom Senat und dem betreuenden Konrad-Zuse-Institut bewilligt werden. Seit 2012 wurden 20 000 der 4,5 Millionen Objekte umfassenden Sammlung digitalisiert. Wenn es so weitergeht wie bisher, Abgeordnetenhaus und Senat nicht endlich zu ihrer Verantwortung für das Stadtmuseum stehen, dauert die Onlinisierung der Sammlung etwa 450 Jahre. Wenn es dann das Internet noch gibt.