3000 Steinmetzstücke werden insgesamt gebraucht. Es ist ein riesiges Puzzle, nur dass die Teile mit Nummern versehen sind, aus denen hervorgeht, wo sie an der Fassade angebracht werden müssen. Nicht alle werden in Spandau gehauen, die Schlossbauhütte vergibt Aufträge an eine weitere Werkstatt in Berlin, nach Bamberg und München.

„Wir sind komplett im Plan“, sagt Just. 80 Prozent der Modelle seien fertig. Einige liegen auf Paletten in riesigen Regalen in der Halle. Um originalgetreu zu rekonstruieren, nutzen sie alles, dessen sie habhaft werden konnten. Historische Fotos, Zeichnungen, Gemälde. Manche Fotos sind so stark vergrößert, dass die Pixel hervortreten. Sie wollen den Faltenwurf eines Gewandes sehen können.

Trotzdem, ein Bild ist zweidimensional. „Jeder sieht etwas anderes“, sagt der Bildhauer Jens Cacha. „Es ist immer eine Annäherung.“ Manchmal gibt es Streitigkeiten. Besonders wertvoll sind Originalfragmente, die in Museen überdauert haben oder im Baugrund gefunden wurden. Die meisten können nicht wieder eingebaut werden, sie sind zu empfindlich, aber sie bieten wertvolle Anhaltspunkte. Die Originalteile von Portal IV, die in das einstige Staatsratsgebäude integriert wurden, haben sie gescannt und mit einem 3D-Drucker ausgedruckt.

„Wir sind in der Geschichte, in der Kunst“

Doch an Geld fehlt es noch. Von den 80 Millionen, die der Förderverein unter Führung von Wilhelm von Boddien für die Gestaltung der Fassade einsammeln will, sind erst 27 Millionen zusammengekommen. Gegen das „erst“ protestiert Johannes Wien, der kaufmännische Vorstand der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum. Er zitiert Studien, nach denen die meisten Spenden im letzten Drittel der Bauphase eingehen, wenn die Leute etwas sehen. Im nächsten Jahr sollen die ersten Fassadenteile auf den Beton kommen.

In der Hütte gibt man sich in Hinblick auf die Finanzen ebenfalls gelassen. Sie wollen nicht zweifeln, das liegt auch an dieser Arbeit, diesem Traum für Bildhauer. „Wir sind in der Geschichte, in der Kunst“, sagt Just. Man spürt die Begeisterung. Sie können sich nicht vorstellen, dass es noch Kritiker gibt, wenn man sehen kann, dass es gelingt.

Frank Kösler hat sich gerade ein Butterbrot geschmiert, eine Packung Räucherlachs aufgerissen. Er arbeitet am Modell der Bekrönung von Portal II, der feuchte Ton liegt in Plastikbottichen. Ein Bozzetto, ein kleiner Entwurf der Bekrönung in Ton, steht auf einer Staffelei. Die Bozzetti müssen von einer Expertenkommission aus Kunsthistorikern und Architekten abgesegnet werden, bevor die Bildhauer an das große Tonmodell gehen.

Die Figuren Fama und Pax von Portal II sind erhalten geblieben. Kösler hat sie abgeformt, sie geben die Proportionen für die Kompositionvor. Der steile Anlauf der Figuren ist für Kösler ein Hinweis darauf, dass hier nicht mehr so fein gearbeitet wurde, wie bei Portal I, das er zuvor modelliert hat. „Man wollte fertig werden.“ So sehr hineingedacht hat er sich in die Arbeit, dass er spüren kann, was seine Kollegen damals bewegte, vor mehr als 300 Jahren.