„Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" kommt am 18. Dezember 2019 in die deutschen Kinos.
Foto:  Lucasfilm Ltd. & TM./Walt Disney/dpa

Es sollte eine Neuanfang, ein echter Aufbruch sein, es herrschte Goldgräber-Stimmung als Disney George Lucas seine Firma abgekaufte. Über vier Milliarden Dollar hat sich das „Haus der Maus“ Lucasfilm und damit auch die Rechte an „Star Wars“ oder „Indiana Jones“ kosten lassen: Als Abteilungsleiterin wurde mit Kathleen Kennedy eine langjährige Lucas-Vertraute installiert, umgehend wurde eine neue Star Wars-Trilogie in Auftrag gegeben. 

Die Zeit schien dafür gut – Lucas hatte mit drei Vorgeschichten-Filmen zwischen 1999 und 2005 zwar für beachtliche Einnahmen, aber auch spürbare Ernüchterung beim Publikum gesorgt, das Interesse war da, aber die Erwartungen gesunken.  Helden aus der alten Zeit Disney und Kennedy heuerten alle relevanten Helden aus der alten Zeit, von Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher bis zum Komponisten John Williams und, als Sternenkrieg-Story-Papst, Filmemacher Lawrence Kasdan, der als Drehbuchautor den mutmaßlich besten aller Star Wars-Filme, „Das Imperium schlägt zurück“ (1980), geschrieben hat.

Wie „Star Wars“ wieder cool wurde

Als Regisseur für den ersten Film, als „Episode VII“ Anfang einer neuen Star Wars-Trilogie, wurde J.J. Abrams engagiert, der schon „Mission: Impossible“ modernisiert und „Star Trek“ entstaubt hat. Und tatsächlich wurde Abrams’ „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ 2015 ein gewaltiger Erfolg: Über zwei Milliarden Dollar spielte der Film weltweit ein, nach Schätzungen kam das Doppelte an Lizenz-Vergaben und Vermarktungsgeschäften dazu. Star Wars war irgendwie wieder cool.

Die Jedi-Schülerin Rey (Daisy Ridley) auf der Flucht.
Foto: Lucasfilm

Doch bereits dieser Erfolg war vergiftet. Der harte, lautstarke Kern der Star Wars-Fans, die Abrams und sein Film so eifrig und nostalgisch bedient hatten, entpuppte sich schon damals als reichlich unangenehmer Haufen. Die neuen Pro- bzw. Antagonisten wurden online durch den Fleischwolf gedreht: John Boyegas schwarzer Stormtrooper Finn ging den Fanatikern angeblich gegen ihren „Star Wars“-Kanon, dass nicht Pilot und Haudegen Poe Dameron (Oscar Isaac) im Mittelpunkt stand, sondern das Waisenmädchen Rey (Daisy Ridley), empfanden viele als völlig unpassend; Gegenspieler Kylo Ren (Adam Driver), beladener Böser und Vatermörder, wurde als „Emo-Heulsuse“ abgetan.

Selbst Abrams’ ganz, ganz kleine Modernisierungen wurden lange diskutiert, eigentlich wollten alle doch alles so wie früher. Das merkte man an der wohlwollenden Resonanz gegenüber dem filmischen Zwischenspiel „Rogue One“ (2016), einer Vorgeschichte des Ur-Werks „Star Wars“ von 1977; nur dass die Hauptfigur auch hier eine junge Frau (Felicity Jones) war, störte einige Fans.

Alles wie früher? Szene aus "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers"
Foto: Lucasfilm

Echten Hass hingegen gab es für Episode Nummer Acht. Rian Johnson hat in „Die letzten Jedi“ (2017) alle Fan-Erwartungen auf den Kopf gestellt: Reys Herkunft war plötzlich unwichtig, der bei Abrams noch als Endgegner inszenierte intergalaktische Böse Snoke rasch tot. Und Johnson rückte Frauen in den Vordergrund: Abenteurer Dameron musste sich von weiblichen Vorgesetzten (Carrie Fisher, Laura Dern) militärisch wie moralisch gründlich zurechtweisen lassen, Finn wurde von der wackeren Arbeiterin Rose (Kelly Marie Tran) die Feigheit ausgetrieben.

Kino-Trailer zu „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers".

Video: YouTube

Die Nerds werden zufrieden sein

Soviel zeitgemäße Ambivalenz, soviel emanzipatorische Kraft in einem Star Wars-Film hatte niemand erwartet. Die dunkle Seite der Macht: Mehr Frauen- und Fremdenfeindlichkeit wie in den Fan-Debatten zu „Die letzten Jedi“ gab es bei Star Wars nie. Auch als Geschäft ist Star Wars inzwischen unter Disney ins Schlingern geraten: Ein weiterer Zwischendurch-Film, „Solo – A Star Wars Story“, war im letzten Jahr ein Flop, der groß beworbene Star Wars-Vergnügungspark „Galaxy’s Edge“ verfehlte deutlich die erhofften Besucherzahlen.

Was macht man da mit dem letzten Film einer Trilogie, einer „Episode IX“ auf die kaum wer wirklich gewartet hat? Wie schließt man dieses Kapitel ab, ohne die Marke Star Wars weiter zu beschädigen? Für Disney und Kathleen Kennedy war die Antwort wohl klar: Man übergibt den Auftrag wieder an J.J. Abrams. Und der beendet die neue Trilogie tatsächlich exakt so wie erwartet und befürchtet, liefert wie bestellt.

Verpasste Chancen

Doch das wird nur Nerds und ein sehr genügsames Publikum zufriedenstellen. Zwar übernimmt  „Der Aufstieg Skywalkers“ einige der interessanteren Idee von Johnsons Film, eine nur noch kleine Gruppe Aufrechter auf der Flucht vor dem mächtigen Militärapparat des „First Order“, die seltsame Verbindung, vielleicht sogar Seelenverwandtschaft zwischen der Jedi-Schülerin Rey und dem Möchtegern-Weltenbeherrscher Kylo Ren, zwischen Lichtgestalt und Schattenkrieger.

Deren Momente sind das einzig  Schöne an diesem Film. Überlang und überladen, voller bunter Bilder, aber konfus betreibt Abrams Schadensbegrenzung und bedient in jedem einzelnen Moment die nostalgischen Erwartungen der Fan-Gemeinde. Schon zu Beginn wird der Schrecken des eigentlich in „Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) getöteten Imperators Palpatine (Ian McDiarmid) heraufbeschworen, auch danach zitiert und spiegelt „Der Aufstieg Skywalkers“ nur noch Motive und Momente aus der goldenen Star Wars-Ära von 1977 bis 1983.

Keine neuen Ideen

So konsequent wie mutlos bemüht Abrams den eher musealen Charme vergangener Tage, neue Ideen oder gar Johnson’sche Experimentierfreude sucht man vergebens. Das betrifft auch Rollen- und Geschlechterbilder, der Film feiert ausgiebig männlichen Heldenmut und weist Frauen die zweite oder, hinter zahlreichen bunten Kreaturen, dritte Reihe zu.

Das ist altmodisch und erzählerisch fad, aber entspricht wohl Abrams Auftrag. Was einst ein Neuanfang sein sollte entpuppt sich jetzt als eine Geschichte verpasster Chancen. Star Wars, das einstige Popkultur-Phänomen, ist heute ausgelaugt und auserzählt und „Der Aufstieg Skywalkers“ ein Ende ohne Schrecken, ohne Zauber, ohne Versprechen.  

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers   USA 2019. Regie: J.J. Abrams, Drehbuch: Chris Terrio & J.J. Abrams, Kamera: Dan Mindel,  Musik: John Williams, Darsteller: Adam Driver, Daisy Ridley, Oscar Isaac, John Boyega, Kelly Marie Tran, u.a.; Farbe, 142 Min., FSK 12