Mark Hamill muss seinem Erfinder bis heute dankbar sein. Oder ihn verfluchen. Als der Regisseur George Lucas im Jahre 1976 nach einem passenden Unschuldsgesicht für die Rolle des Luke Skywalker suchte, landete der weitgehend unbekannte Schauspieler eher widerwillig auf der Besetzungscouch:

Ein Freund hatte Hamill erst überreden müssen. Lucas engagierte den damals 25-Jährigen vom Fleck weg und machte ihn mit dem Film „Krieg der Sterne“ und der aus ihm hervorgehenden „Star Wars“-Trilogie zu einem der bekanntesten Gesichter auf dem Planeten. Aus Mark Hamill wurde Luke Skywalker, untrennbar, ununterscheidbar, und darüber blieb ihm die große Karriere verwehrt – wer wollte den Sternenkrieger schon in einem anderen Film sehen?

Öder Weltrettungsernst

Immerhin, der als Luke Skywalker weltberühmte Mark Hamill verdiente sich als Synchronsprecher noch einmal in den 90ern seine filmischen Meriten. Er lieh in der Zeichentrickserie „Batman“ dem bösen Joker seine Stimme und stattete ihn mit einem infernalischen Lachen aus, das zu einem weithin bekannten Markenzeichen wurde.

Allerdings war der in seinem gestisch-mimischen Repertoire ohnehin nicht sonderlich abwechslungsreiche Hamill da gar nicht zu sehen. Welch Freude also, ihm in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (2015) wieder zu begegnen. Ganz am Ende des Films wird ihm sein Lichtschwert aus alten Jedi-Zeiten zurückgebracht – die Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) vom Planeten Jakku hatte sich eigens dafür auf den langen Weg gemacht.

Ironisch an dieser auch „Episode VII“ genannten Sternenkriegsfolge ist, dass in ihr der Schmuggler Han Solo getötet wurde, aber der ihn verkörpernde Harrison Ford im Unterschied zu Mark Hamill und dem übrigen Star-Wars-Cast der einzige Schauspieler geblieben ist, dem eine große Hollywood-Karriere vergönnt war. Mark Hamill ist also der letzte Überlebende.

Das aber nur am Rande. Für die Geschichte und ihren Fortgang bedeutsam ist, dass Han Solo durch seinen Sohn Ben Solo alias Kylo Ren (Adam Driver) ermordet wurde – ein tödlicher Vater-Sohn-Konflikt, wie wir ihn bereits von Luke Skywalker und Darth Vader kennen. Letzteren Erzbösewicht zu beerben, schickt sich nun der heimtückische Kylo Ren an. Womit wir dann auch bei dem aktuellen Film „Star Wars: Die letzten Jedi“ angelangt wären.

Nach einem einstimmenden Raumschiff- und Laserkanonenscharmützel landet die Schrottsammlerin Rey auf einer meerumtosten Insel des entlegenen Wasserplaneten Ahch-To. Dorthin hat sich der alt und müde gewordene, zottelbärtige Luke Skywalker zurückgezogen und fristet hier, von vogelartigen Nonnen umsorgt, sein mönchisch-asketisches Leben.

Luke ist der letzte des einstmals stolzen Jedi-Ordens, er hat sich vorgenommen, dass mit ihm auch dieser Orden, der seiner Überzeugung nach so viel Unheil über die Galaxie gebracht hat, sterben soll. Rey aber, die eine gewisse Begabung zur Macht in sich spürt, überzeugt den Zottelkauz schließlich, sie auszubilden – zur machtvollen Jedi-Kämpferin. Auf der imperialen Gegenseite macht sich derweil der nicht minder mächtige Kylo Ren bereit…

Und so nehmen die Dinge in „Episode VIII“ ihren Lauf. Gut kämpft gegen Böse, die helle Seite der Macht gegen die dunkle, Rey gegen Kylo – wobei die beiden Protagonisten ob ihrer immensen Machtbegabung und des damit einhergehenden Zerstörungspotenzials etliche Konflikte, zumal Selbstfindungs- und Selbstzweifelmartern durchleiden müssen.

Tut, wer das Gute will, tatsächlich das Gute? Tut, wer das Böse will, denn wirklich nur das Böse? Kurzum, es herrscht wie immer bei „Star Wars“ die als quasi-religiöse Allmachtsmetaphysik verbrämte, von herzschmerzendem Weltrettungsfuror getriebene und dabei vollkommen ironiefreie Feier der Innerlichkeit. Durfte man bei der Zwischenepisode „Roque One“ (2016) noch die Hoffnung haben, das Star-Wars-Universum mache sich endlich mal locker, so herrscht wieder der öde Ernst.

Zu wenig Schauwerte

Das ist bei einer Filmdauer von gut zweieinhalb Stunden schwer zu ertragen. Nur ein Beispiel: Was sollen die endlosen Mein-Vater-war-doof-Rechtfertigungs-Monologe des lichtschwertschwingenden, unablässig vor sich hin metzelnden Kylo Ren?

Und wenn der Star-Wars-Deal bislang darin bestand, für diesen Befindlichkeitsquark mit satten Schauwerten entschädigt zu werden, mit atemraubenden Raumschiffschlachtchoreographien, mit liebevoll bis ins kleinste Detail ausgestatteten Szenenornamenten, mit drolligen, für die Geschichte eigentlich unerheblichen, aber eben die Sehlust entfachenden Figuren – dann ist dieser Deal mit „Die letzten Jedi“ aufgekündigt worden. Hier gibt es kaum etwas, an dem sich satt zu sehen wäre. Hier herrscht unerbittlicher Leerlauf.

Daran ändert auch das anheimelnde Wiedersehen mit Mark Hamill nichts, auch nicht das mit der verstorbenen Carrie Fischer, der Prinzessin Leia aus der Anfangszeit der Sternenkriege und nunmehrigen Generalin Leia Organa. „Die letzten Jedi“ war ihr letzter Film. So viele bittere Abschiede: Möge die Macht mit der neunten Episode sein.