Nur knapp werden wir in einem Schrifttitel darüber informiert, was alle Star-Wars-Kenner längst schon wussten: Auch gut zehn Jahre vor den Ereignissen von „Episode IV“ ging es in derselben weit entfernten Galaxis schon recht martialisch zu.

Auf den letzten Drücker gelingt dem jungen Han (Alden Ehrenreich) die Flucht von seinem Heimatplaneten Corelia. Wenig Zeit zum Kennenlernen bleibt dem Publikum für seine Freundin, die nicht Leia, sondern Qi’ra heißt und von Emilia Clarke verkörpert wird. Dann werden die beiden auch schon getrennt.

Not und Einsamkeit treiben den jungen Mann wie so viele Abenteurer in der Literaturgeschichte zum Militär: Die Imperiale Armee ist ihm gerade gut genug, sich zum Flieger ausbilden zu lassen. Man kann sich gut vorstellen, wie die einprägsame Szene der Rekrutierung wohl entstanden sein könnte. Vielleicht fragte Lawrence Kasdans Sohn Jonathan, der mit seinem Vater das Drehbuch schrieb, einmal vor dem Einschlafen: „Wieso heißt denn Han Solo eigentlich ,Solo’?“ − „Bei der Anmeldung zur Fliegerausbildung wurde er nach seinem Familiennamen gefragt. Weil er aber keine Familie hatte, sagte der Beamte: Dann bist du also Solo.“

Nur wenige sentimentale Momente

Es gibt noch andere Szenen mit Anekdotenpotenzial, die hier zu verraten ein Verbrechen wäre. Sie betreffen etwa den unorthodoxen Erwerb seines damals noch fast neuwertigen Fluggeräts. Oder den Beginn der Freundschaft mit Chewbacca. Nur soviel sei verraten: Die alte George-Lucas-Idee, er sei von dem lieben Zottel aufgezogen worden, wurde nicht verwirklicht.

Man kann diese unbeschwerten Augenblicke als bessere Fan-Fiction kritisieren, tatsächlich aber sind sie – neben den Einzeilern einer neuen Druidin namens L3-37 – das sentimentale Herz dieses Films – und leider in der Minderheit. Rund zwei Drittel der Filmzeit gehen für Schlachten drauf, einige spektakulär, die meisten weniger.

Kein Rock'n'Roll ohne Ballade

Anders als beim Klassiker „Das Imperium schlägt zurück“ scheinen alle vergessen zu haben, was niemand besser wusste als Lucas: Dass es nun mal keinen Rock’n’Roll gibt ohne Balladen. Dieses Gefühl für die Gewichtung ist das Erfolgsrezept von „Star Wars“, und kein Studio verstand das so gut wie Disney, dessen vierter Ausflug ins Lucas-Universum dies nun ist.

Ehrenreich ist ein sympathischer und glaubwürdiger Solo, aber sich gerade diesen Helden ohne Narben und Kanten vorzustellen, die ihn erst zu Mr. Cool machen werden, ist etwas desillusionierend. Vom späteren Raubein, das Luke Skywalker an Reizen übertreffen wird, ist der junge Han so weit entfernt, dass man ihn wiederum davor schützen muss, an die Wand gedrängt zu werden. Immerhin ist er schon in jungen Jahren aufmüpfig genug, um gleich wieder von der Fliegerakademie geworfen zu werden.

Im Sternenkriegsgewinnler Beckett (Woody Harrelson) findet er einen angemessen zwielichtigen Mentor. Ein gemeinsamer Raubüberfall wird zum ersten wirklichen Höhepunkt des Films und zu einer Verbeugung vor dem Urgrund des amerikanischen Kinos, dem Klassiker „The Great Train Robbery“ von 1903.

Solo: A Star Wars Story USA 2018. Regie: Ron Howard. Mit Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Emilia Clark u.a., Farbe, 135 Min., FSK ab 12