Leipzig-Ein Kunstmuseum – Deutschland hat davon über 700 – soll traditionell vieles leisten können: bewahren, sammeln, erforschen, ausstellen und vermitteln. Doch gerade Letzteres kommt schon des Längeren zu kurz, und nicht nur seit den multiplen Lockdowns. Stefan Weppelmann, der neue Direktor des renommierten Museums der bildenden Künste Leipzig (MdbK), treibt dieses Problem um. „Corona hat alles verändert“, sagt der 50-Jährige Österreicher. Seit 26 Tagen ist er im Amt, und schon sorgt er sich nach dem langen Stillstand des Kulturlebens vor allem um die Bindung zwischen Kunst und Publikum. Bei künftigen Fällen dieser Art brauche es „viel bessere Abstimmung, Differenzierung und Vorsorge, wie unter besonderen Auflagen doch Museumsbesuche möglich sind“. Die Kritik geht an die politischen Entscheider.

In der Tat hat diese wertvolle Beziehung quer durch alle Städte und Bundesländer zuletzt stark gelitten, trotz der digitalen Angebote. „Jetzt müssen wir uns auf die Kernkompetenz besinnen“, sagt der Kunsthistoriker, der vor seinem Umzug nach Leipzig das Kunsthistorische Museum Wien leitete. Darunter versteht Weppelmann, sich mehr auf die eigenen Sammlungen zu konzentrieren, sie in den Mittelpunkt zu rücken, zugleich die Bildungsprogramme zu stärken. Der Neue will das Haus mehr öffnen – es wurde im Revolutionsjahr 1848 als Bürgermuseum gegründet und von Leipziger Sammlern und Mäzenen ermöglicht – als Begegnungsort der Stadtgesellschaft.  Das bedeute eine stärkere Konzentration aufs regionale Publikum, die Erforschung und Präsentation der eigenen Werke aus 500 Jahren Kunsthistorie. Lokale, deutsche, europäische, von Alten bis zu Neuen Meistern, von Fotografie-Geschichte bis zu den über 500 Bildwerken der Kunst aus der DDR, vor allem der „Leipziger Schule“. Für Weppelmann gehören Provenienzforschung und Revision dringend ins Aufgabenportfolio des Museums. Zudem plädiert er für ressourcenschonendere Arbeit, der Umwelt zuliebe. Das betreffe den Materialeinsatz bei Ausstellungen, Transporten, Kurierreisen.

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