Berlin - In den 1910er-Jahren war der Weiße Stier im Humboldthain ein beliebter Treffpunkt für Verliebte. Magische Kräfte und Fruchtbarkeit wurden ihm zugesprochen. Ähnlich geheimnisumwittert ist der Stierbrunnen aus Rotem Porphyr am Arnswalder Platz im Bötzow-Viertel. Eine Unglückliche hatte in dem hohen uneinsehbaren Trog ihr Neugeborenes ausgesetzt, dessen leises Wimmern, vom Halbrund der Schale verstärkt, tagelang durch das Viertel wehte und die Einwohner verstörte. Der größte Ochse von Berlin aber steht am Alboinplatz und überblickt ein Toteisloch.

Zwischen Tempelhof und Priesterweg finden sich mehrere Toteislöcher, aber die Blanke Helle unter dem Stier vom Alboinplatz hat das geologische Ebenmass: rund, mit steil abfallendem Ufer, unergründlich tief. Dieser kleine See, flankiert von der denkmalgeschützten Siedlung Blanke Hölle und einem Friedhof, ist die eigentliche (geheime) Attraktion Berlins: Hier nämlich liegt der Eingang ins Reich Hels, der germanischen Göttin der Fruchtbarkeit und der Unterwelt. Der nächste Eingang ist erst wieder der Hörselberg bei Eisenach.

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