Karriere mit unaufgeregter Originalität: Stephen Malkmus
Foto: Samuel Gehrke

BerlinEiner der schönsten Momente im Oeuvre der wegweisenden Band Pavement ist jener, als deren Sänger Stephen Malkmus im Mini-Hit „Cut Your Hair“ oft hintereinander gallig das Wort „Career“   singt. Ganze Weltanschauungen klingen da heraus, ebenso Spott, Neid, Verweigerung – und sehr viel Spaß an alldem.

Bei aller Karrieristenverspottung kann Malkmus dennoch auf eine stattliche Karriere zurückblicken. Abgesehen davon, dass Pavement hinter seinem tendenziös nasalen Beinahe-Gesang das Lose, Wackelige, den Krach, den Punk, das Psychodelische zu einer ganz eigenen Rockform kombinierten, die in den 90er-Jahren erstaunlichen Zulauf erhielt und von zahllosen Slackern kopiert wurde, führte Malkmus, der zwischenzeitlich zwei Jahre in Berlin lebte, auch nach der Auflösung von Pavement seine Karriere mit unaufgeregter Originalität fort – mit seiner neuen Band The Jicks oder eben als Stephen Malkmus. Zuletzt erschien mit „Groove Denied“ eine Art Huldigung an die elektronische Seite des Post-Punk – für Malkmus, der sonst dem Gitarrenrock in vielen Spielarten verpflichtet schien, ein Aufbruch in neues Terrain. Dieser Tage veröffentlichte er nun das Album „Traditional Techniques“, auf dem psychodelischer Folkrock auf Orientalisches stößt.

Quelle: Youtube

Excel-Tabellen und Küchenprobleme

An sich ist das ein in den 60er- und 70er-Jahren weithin ausgelotetes Gebiet, doch zeigt sich, dass Malkmus’ Tendenz, aus zeitgenössischen Alltagsszenen und -jargons mystische, gleichzeitig von Humor durchsetzte Poesie zusammenzuflicken, hier als erfrischendes Update zur meist unbeholfenen Mystik drogensaturierter Altrocker.

So singt Malkmus im Anfangslied „ACC Kirtan“ über bürgerliche Küchenprobleme, redet in „The Greatest Own in Legal History“ von Excel-Tabellen und wartet an anderer Stelle mit viel Internetjargon auf wie ein verzweifelter Papa, der cool sein will. Während textlich Vieles abgeklärt wirkt, klingt der Instrumentalteil dank zahlreicher Gastmusiker recht amtlich. Hier zupft die Akustikgitarre, dort flimmert ein zerknautschtes Gitarrensolo und nahöstliche Holzflöte tuten. Wie nebenbei ereignen sich melodische Unorthodoxien, die uns über die eher traditionellen Drones und Jams hinweg unterhalten.

Vor allem aber klingt Malkmus mal wieder herrlich entspannt. Die gewieftesten Karrieristen sind ja meistens die, die sich dem Anschein nach nie Mühe geben.