Bei „Stern-TV“ muss man unwillkürlich an Günther Jauch denken, auch an den Fälscher Michael Born, der als Reporter Stern-TV in den neunziger Jahren falsche Beiträge angedreht hatte – vor allem aber an blanken Boulevard. Gestern Abend feierte die Sendung ihre tausendste Ausgabe, und in der Tat ist das Format eins der langlebigsten des deutschen Fernsehnens.

Der Nachfolger von Günther Jauch, Steffen Hallaschka, hatte anfangs sichtlich mit der Sendung zu kämpfen, was sich in sinkenden Quoten bemerkbar machte. Doch mittlerweile hat sich Hallaschka eingelebt.

In der gestrigen Sendung schwelgte die Redaktion in Erinnerungen an fast 20 Jahre „Stern-TV“: Etwa wurde eine HIV-kranke Frau 14 Mal in die Sendung eingeladen – damals war ihre Überlebensprognose äußerst schlecht, doch sie lebt noch immer. Ein Erfinder einer „Eierköpfmaschine“ war da weit weniger interessant. Was man eben so macht anlässlich des Jubiläums einer Sendung.

Als besonderes Highlight jagten die „Stern-TV“-Macher eine Kamera in die Erd-Atmosphäre – doch einmal abgesehen von schönen Bildern aus 30.000 Metern Höhe war der Erkenntnisgewinn gering. Zuvor wurde noch hinter die Kulissen der Sendung geblickt – doch das war so öde, dass man am liebsten gleich am Anfang umgeschaltet hätte.

Überhaupt: Auch die tausendste Sendung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die allermeisten Geschichten biederster Boulevard waren: Familien mit adoptierten Kindern aus aller Welt und Emotionen, die aus der Tränendrüse kommen, sorgten für gute Quoten. Der Mainstream regiert – kaum eine Geschichte ragt aus dem Tal der Tränen und Träume heraus.

Da konnte auch Günther Jauch nichts ändern, der bei seiner alten Sendung zu Gast war, „zu Besuch bei der alten Geliebten, die einen neuen Lover hat“, wie es Moderator Steffen Hallaschka formulierte. Mal hart gesagt: Gott, war das langweilig.

Immerhin: Günther Jauch erklärte am Schluss der Sendung, was das Erfolgsgeheimnis aus fast zwanzig Jahren „Stern-TV“ ist: Eine Mischung aus ernstem Journalismus und totalem Unfug. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. „Stern“-Erfinder Henri Nannen drückte das vor vierzig Jahren noch etwas anders aus: Das (gedruckte) Magazin müsse etwas für Lieschen Müller sein, eine „Wundertüte“ mit Überraschendem für Jeden und Jede.

Daran hält sich der Fernsehableger noch heute. Das Problem ist nur: Es wirkt heute alt und abgestanden. Aber das Publikum will es dennoch sehen, zumindest drei paar Millionen Zuschauer pro Woche.