Berlin - Es war die kulturpolitische Bombe des vergangenen Sommers: Vor ziemlich genau einem Jahr forderte der Wissenschaftsrat in einem Gutachten, die 1957 gegründete Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) zu zerlegen in ihre Archive, Bibliotheken und Museen, die wissenschaftlichen Institute sollten diesen zugeordnet werden. Daraufhin setzte Kulturstaatsministerin Monika Grütters eine „Reformkommission“ unter eigenem Präsidium ein, die nach vielen Sitzungen und Abstimmungen vergangene Woche „Empfehlungen“ ausgab, die gestern vom Stiftungsrat der Preußen-Stiftung angenommen wurden.

Wenn alles so kommt, wie es hier vorgeschlagen wird, dürfte die mächtige Preußen-Stiftung bald kaum noch wiederzuerkennen sein. Vieles in den Details wie etwa die Finanzierung ist noch völlig offen, auch haben der Bundesrat, also die Länderregierungen, und der im September zur Wahl anstehende Bundestag bei dieser Bund-Länder-Stiftung das letzte Wort. Nun wird nicht mehr die Zerschlagung gefordert, sondern dass die vielen Stiftungs-Institutionen „stärker inhaltlich und interdisziplinär zusammenarbeiten“ sollen. Allerdings: Genau diese Forderung wird seit 1957 immer wieder gestellt, aber nie wirklich eingelöst. Legendär ist der Fall, dass das Ethnologische Museum für eine Ausstellung einen Koran neu erwarb, statt einen solchen im Museum für Islamische Kunst oder in der Staatsbibliothek auszuleihen. Das Problem ist nicht mangelnde Autonomie, sondern Unwillen. Aber Wollen kann man im deutschen Verwaltungsstaat kaum erzwingen.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.