Der 26-jährige Stomzy auf der Bühne der Columbiahalle in Berlin.
Foto: Roland Owsnitzki

Berlin-Tempelhof„Stormzy, Stormzy, Stormzy“ - die Zuschauer in der ausverkauften Columbiahalle in Berlin sind am Donnerstagabend unruhig. Seit zwei Minuten sollte ihr Idol auf der Bühne stehen: Michael Ebenazer Kwadjo Omari Owuo Jr. -  auch bekannt als Rapper Stormzy aus Südlondon, Großbritannien. Brit-Award-Gewinner,  Nummer eins in den UK-Charts und mit über 20 Millionen Aufrufen pro Video ein Hit auf YouTube

Doch der 26-jährige Star lässt sich Zeit. Vielleicht sind es jene Minuten, um noch einmal kurz durchzuatmen. Oder jene, in denen er seinen Instagram- und Twitter-Account löscht. Denn das Letzte, was die Fans auf seinen Sozialen Netzwerken an diesem Abend sehen werden, ist eine Backstagetour in der Konzerthalle.

Als er um 21.04 Uhr mit grellem Licht und dröhnendem Bass auf der Bühne startet, ist das aber noch kein Thema. Jubel drückt sich durch die dicke Bass- und Lichtschicht. Stormzy spitted sogleich die ersten Zeilen in sein Mikrofon. Sein britischer Akzent und die Akustik im Saal machen es allerdings schwer, die schnellen Reime zu verstehen. Kein Problem für die meisten der rund 3000 Zuschauer. Sie steigen schnell ein, unterstützen ihn. Takt für Takt im Flow. Zwei Songs lang, bis der Bass stoppt.

Rapper Stormzy reimt sogleich die ersten Zeilen in sein Mikrofon.
Foto: Roland Owsnitzki

„Heavy Is the Head“ ist das zweite Album von Stormzy

„Berlin, I love you“, ruft Stormzy, sein Gesicht strahlt. Er erzählt, dass er vor paar Jahren schon einmal in Berlin war. Alle Anwesenden seien jetzt auf der „H.I.T.H. Tour “- Die Abkürzung für sein im Dezember erschienenes Album „Heavy Is the Head“. Die zweite Platte des Rappers, der 2013 erste Freestyle-Tracks im Internet landete und seinen Durchbruch einem Auftritt bei einem Boxkampf von Anthony Joshua zu verdanken hat.

Durch einen Auftritt bei einem Boxkampf wurde Stormzys Song Shut up" einem breiteren Publikum bekannt und stieg so in den britischen Charts auf. 

Video: YouTube/Stormzy

Sein damaliger Song  „Shut Up“ schaffte es durch die Performance erstmals 2015 in die Top 10 der britischen Charts. Das Debütalbum „Gang Signs & Prayer“ war dann das erste Grime-Werk, das sich 2017 sofort in den Charts niederschlug. Dabei hatte zu der Zeit Grime, eine Mischung aus Jungle, Dancehall, UK Garage, Ragga und Hip Hop, seinen Höhepunkt mit Acts wie Dizzee Rascal, Wiley und Skepta längst gehabt.

Doch Stormzy bringt seine eigene Note mit. Das Raue, Tiefe, Schnelle, Kantige. Und das zugleich Liebevolle und Warme in seiner Stimme. Seinen ganz eigenen Flow, wenn er durch den Takt schreitet und etwa live in tanzende Bewegungen kommt. Bei dem angehauchten Gospel-Stück „Crown“ etwa. Oder bei der eher sanften Hip-Hop-R'n'B-Nummer „Do It Better“, bei der seine strengen Gesichtszüge ganz weich werden. 

Weiß, wie er die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer kriegt: Stormzy
Foto: Roland Owsnitzki

Wenn auch dies auf dem neuen Album die eher seichten, radiotauglichen Nummern sind, sind es live jene, die in der Konzerthalle Abwechslung und Stimmung bringen. Zwar sind Lieder wie das kämpferische „Know Me From“ oder das politische „Vossi Bop“ auch ein Garant für Pogen und Grölen, doch hallen die ausgeklügelten Albumproduktionen meist dumpf von der Saalwand. 

Die Zuschauer in der Columbiahalle bekommen den „Jungen aus der Community“

Neben Stormzy ist noch ein DJ auf der Bühne, die Tänzer und Sänger, die man bei seinem Liveauftritt bei den Brit Awards 2020 sah, fehlen. Dafür bekommen Zuschauer den „Jungen aus der Community“, wie sich Stormzy selbst gerne bezeichnet. So, wie er eben ist. Oder wie die US-Zeitschrift „Time“ 2019 titelte: die Stimme seiner Community. Das Sprachrohr oder auch Abbild seiner Generation.

Der Song „Crown“ aus dem neuen Album „Heavy Is the Head“.

Video: YouTube/Stormzy

Wer die Entwicklungen in der Popkultur die letzten Jahre beobachtet hat weiß, dass es bei Musikern längst nicht mehr um Wortgewandheit, gerissene Beats und musikalisches Talent geht. Stormzy hat sich etwa immer wieder politisch engagiert. Er hat sich gegen den Brexit gestellt, die Labour Party unterstützt und etwa bei Englands größtem Festival, dem Glastonbury, sehr deutlich gegen Premierminister Boris Johnson positioniert. Darüber hinaus will er künftig vier schwarzen Bewerberinnen und Bewerbern das Studium und den Unterhalt zahlen, wenn sie an der britischen Elite-Uni Cambridge angenommen werden sollten.

Neben Stormzy ist noch ein DJ auf der Bühne.
Foto: Roland Owsnitzki

Politik spielt am Donnerstagabend beim Konzert in der Columbiahalle allerdings kein großes Thema. Nach etwa eineinhalb Stunden bedankt sich Stormzy ausgiebig bei seinen Fans. Die nächsten Tourstopps in Europa stehen an, die meisten sind ausverkauft. Einige Zuschauer schießen noch ein Foto. In wenigen Minuten wird ihnen nun klar werden, dass sie ihr Idol nicht mehr auf Instagram oder Twitter verlinken können. Welche Botschaft dahinter steckt, hat Stormzy allerdings noch nicht verraten. Es bleibt spannend, wie sich das und er noch entwickeln werden.