Auf Instagram kann man wie immer nichts ablesen. Es sei denn, man möchte Verschwörungstheorien anheimfallen, von denen sich nicht wenige um die US-Sängerin Britney Spears ranken. Manche Fans mutmaßen, Spears werde gegen ihren Willen gefangen gehalten. Andere gelangen zu dem Schluss, der Instagram-Account der 39-Jährigen mit seinen fast 30 Millionen Followern werde von außen kontrolliert und gesteuert. Dabei sind Spears' Posts zumeist harmlos, zuletzt stellte sie Bikini-Videos von sich ein, damit sich alle von ihrer körperlichen Fitness überzeugen konnten, oder sie filmte ihre neuesten Sandwichkreationen, dazu einigermaßen beliebige Zeilen wie „Life will be okay now“, in die man natürlich alles hinein- und hinausinterpretieren kann, wenn man es denn darauf anlegt.

Ihre Follower und die #freebritney-Bewegung rätseln und mutmaßen seit Jahren: Wie geht es der Sängerin wirklich? Im nicht enden wollenden Vormundschaftsstreit mit ihrem Vater konnte Spears bislang jedenfalls keinen wirklichen Durchbruch erzielen. Ihre Anhängerschaft zeichnet von ihr gern das Bild eines fremdbestimmten, unfreien Stars, eine Sichtweise, die durch die Dokumentation „Framing Britney Spears“ zuletzt noch einmal verstärkt wurde. Doch die Sängerin selbst ist bislang kaum zu Wort gekommen, meist sprechen nur ihre Anwälte oder Menschen, die sie im Laufe ihrer langen Karriere ein Stück begleitet haben.

Von daher enthält die jüngste Nachricht im Fall Spears doch einigen Zündstoff: Die Sängerin möchte nun selbst und höchstpersönlich vor Gericht aussagen. „Meine Klientin hat mich gebeten, beim Gericht eine Statusanhörung zu beantragen, bei der sie sich direkt an das Gericht wenden kann“, teilte der Anwalt der 39-Jährigen, Samuel Ingham, am Dienstag (Ortszeit) mit. Dabei scheint sie es sehr eilig zu haben: Ein Gericht in Los Angeles habe einen Termin für die Aussage bereits am 23. Juni festgesetzt, hieß es.

AP/Chris Pizzello
Sie kämpft für eine „freie Britney“: Spears-Anhängerin Alandria Brown aus Tennessee vor einer Gerichtsanhörung zur Vormundschaft in Los Angeles im Februar dieses Jahres. 

Was genau Spears aussagen möchte und welche Motive dahinterstecken, dazu äußerte sich Ingham nicht. Bekannt ist: Die mit Hits wie „Baby One More Time“ und „Toxic“ bekannt gewordene Sängerin war im August vergangenen Jahres vor Gericht gezogen, um ein Ende der Vormundschaft ihres Vaters Jamie Spears, 68, zu erwirken. Nach Angaben ihres Anwalts fürchtet sich die Sängerin vor ihrem Vater.

Nach einer Reihe von öffentlichen Zusammenbrüchen des einstigen Disney- und Teenie-Stars hatte Jamie Spears im Jahr 2008 die Vormundschaft für seine berühmte Tochter übernommen. Er regelte damit für sie über Jahre hinweg rechtliche und finanzielle Angelegenheiten. Im November 2020 bestätigte Richterin Brenda Penny am Superior Court des Bezirks Los Angeles die Vormundschaft zwar, benannte aber auf Antrag der Sängerin einen Finanztreuhänder als Ko-Vormund. Einwände von Jamie Spears gegen die geteilte Vormundschaft wurden im Februar dieses Jahres abgewiesen – während einer Online-Anhörung, an der der Vater teilnahm, nicht aber seine Tochter.

Richterin Brenda Penny stimmte nun auch dem Wunsch zu, dass Spears „beschleunigt“ mit dem Gericht sprechen wolle. Penny setzte die Anhörung für den 23. Juni fest, eine zusätzliche Anhörung in diesem Fall war für Juli geplant.

Nicht zuletzt durch die Anfang Februar veröffentlichte Dokumentation der New York Times über Spears und ihr entmündigtes Leben hatten sich zuletzt auch viele Prominente unter dem Hashtag #freebritney mit der Sängerin soldarisiert, darunter Bette Midler, Sarah Jessica Parker und Miley Cyrus.