Der Liedermacher Hans Söllner.
Foto: Simone Attisani

BerlinIn der vielfältigen bayerischen Liedermacherszene, die immer auch der Versuchung gegenübersteht, popkulturelle Trends mit dem Volkslied zu versöhnen, gilt Hans Söllner als Freak. Optisch wirkt er wie ein Veteran aus den 70er-Jahren. Wuschelhaare, Mundharmonika und Gitarre – um aktuelle Moden scheint er sich nie sonderlich geschert zu haben. Immer wieder geht es bei Söllner ums Kiffen. Mit zünftigem Dialekt tritt er für die Legalisierung von Marihuana ein, und mit wechselnden Bands arrangiert er seinen Sound zu einer Art bayerischem Reggae, oft von satten Bläsersätzen getrieben. 

Zum Markenzeichen des Hans Söllner gehört es zudem, in politischer Hinsicht kein Blatt vor den Mund zu nehmen. In manchen seiner Songs wendet er sich gegen jegliche Form des Rassismus. „Des is mei Heimat“, heißt es etwa in dem Stück „Rassist“, „und nicht dein Reich.“ Klare Kante also gegen Rechts. In diese Eindeutigkeit sind nun einige Misstöne geraten. Zumindest ist vor einigen Tagen Söllners Facebook-Seite in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, auf der er einige krude Mutmaßungen über die Corona-Krise verbreitet hat. Im Kern kreist die nun entstandene Erregung um eine Mitteilung wie diese: „Denunzianten, SA, Stasi und Gleichschritt und das passiert gerade. Man darf keine Vergleiche ziehen zum Dritten Reich. Aber das passiert gerade. Schaut euch um.“

Zusammenfassend könnte man sagen, dass Söllner sein Unbehagen über die coronabedingten Einschränkungen des Versammlungsrechts mit der NS-Diktatur vergleicht, auch wenn er den Vergleich vorauseilend gleich widerruft. Aus der verbalen Entgleisung ist inzwischen der Fall Söllner geworden, zu dem auch sein langjähriges Plattenlabel Trikont beigetragen hat. „Wir schätzen ihn als Musiker sehr, insbesondere seine antiautoritäre und antifaschistische Grundhaltung“, heißt es in einer Mitteilung von Trikont, mit der der Verlag spürbar von seinem Musiker abrückt.

„Wenn es allerdings um seine Äußerungen zur momentanen Situation gehört, distanzieren wir uns ausdrücklich. Diese spiegeln in keinster Weise unsere Meinung zur aktuellen Lage wieder. Seine Vergleiche mit dem Dritten Reich entbehren jeder Grundlage und verharmlosen den Terror des Nazi-Regimes in einer unerträglichen Weise.“ Im Interview mit Deutschlandradio Kultur äußert Trikont-Chefin Eva Mair-Holmes zugleich aber auch Verständnis für einen Künstler, der sich für die Rechte von Tieren einsetzt, aber auch als Impfgegner in Erscheinung getreten ist.

Die Situation, so Mair-Holmes, sei auch deshalb so schwierig, weil der Begriff, der über dem gesamten Werk von Hans Söllner stehe, der der Freiheit sei. Über diese zu singen, scheint gerade nicht nur Hans Söllner schwer zu fallen.