"Die Diskuswerfer" des Bildhauers Karl Albiker auf dem Gelände im Olympiastadion in Berlin-Charlottenburg. 
Foto: Imago Images/Hohlfeld

BerlinPeter Strieder, einstiger Berliner Stadtentwicklungssenator, ist offenbar blind. Und als Senator hat er sich wohl nicht mit den Gesetzen und schon gar nicht mit dem Sinn der Gesetze beschäftigt, auf deren Grundlage er einst agierte. Sonst hätte ihm schon zu Amtszeiten auffallen müssen, dass das 1936 eingeweihte Olympiagelände aus der Nazizeit stammt.

Jetzt fordert er Umbenennung oder Demolierung für die Skulpturen, Reliefs, Inschriften und die Tribünenbauten des Maifelds. Weil sie von AfD & Co. instrumentalisiert würden, die heute die gleiche Botschaft wie die Nazis verkünden. Und weil sie – im Nebensatz wird dies angedeutet – die Hoffnungen von Hertha BSC stören, dort bauen zu können.

Abgesehen davon, dass die Gleichsetzung von AfD und Nazis reichlich simpel ist: Spätestens mit dem Abriss der Reichskanzlei und des Spandauer Kriegsverbrecher-Gefängnisses sollten wir gelernt haben, dass eine „Entnazifizierung“ per Abriss schlichtweg nicht funktioniert. Für Idioten genügen Fotos, Filme, Orte, Symbole. Zudem: Das Olympiagelände ist einzigartig, zeigt auf höchstem künstlerischem Niveau, dass der Faschismus eben auch perfide faszinierend war, wenn er Jugend, Dynamik, Kraft und Zukunftsbegeisterung verkündete. Die Nazis begeisterten, das war und ist das Gefährliche an ihnen. In KZ-Gedenkstätten kann man das nicht erleben, wohl aber auf dem Olympiagelände.

Strieders Vorschlag ist nicht nur unökonomisch, unökologisch, geschichtsignorant und sentimental, er würde vor allem nichts bewirken. Das zeigt alle Erfahrung. Besser ist es also, die Nazi-Architektur und deren Kunstwerke für die Erklärung des Faszinosums zu nutzen; und im Übrigen, wie schon seit 75 Jahren, durch eine demokratische Gegennutzung die hier Architektur gewordene Behauptung zu widerlegen, nur straff von oben geführte Gesellschaften könnten funktionieren.