Es ist ja noch immer so: Gibt es ein Podium zu besetzen, fallen einem sofort drei bis fünf Männer als Fachleute ein und dann sucht man (inzwischen!) noch eine Frau und eine Moderatorin. Von den französischen Staatsmedien zu lernen, hieße in diesem Fall zu verinnerlichen, dass ein Frauenanteil von 30 Prozent unter den Experten obligatorisch ist.

Was noch kein repräsentativer Wert ist, woran der Titel der englischsprachigen Internetnachrichtenreihe „The 51 Percent“ des Senders France 24 erinnert, die wöchentlich einen neuen Videobericht über Gleichstellungsfragen aus aller Welt bietet. Aber zumindest ein Schritt dahin – und ein verbürgtes Recht im Gegensatz zum hiesigen Goodwill. Wenn die jetzt veröffentlichte Studie der Hertie School of Governance zu „Frauen in Kultur und Medien“ im europäischen Vergleich, die von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien finanziert wurde, eines nahelegt, dann das: Ohne staatliche Regelungen passiert nicht viel.

Frauenanteil in der Kultur mit 55 Prozent im Jahr 2015

Erst das französische Gleichstellungs- und Staatsbürgerschaftsgesetz, das Anfang diesen Jahres erlassen wurde, gewährleistet, dass alle Positionen, die vom Kulturministerium finanziert werden, ab jetzt zu 40 Prozent mit Frauen besetzt werden. Und auch Schweden erzielt mit seinem offiziellen GMGA-Programm (Gender Mainstreaming in Government Agencies) beeindruckende Ergebnisse. Sechs Länder hat die Studie durch Auswertung von Daten aus 2008 und 2015 mit Deutschland verglichen: Frankreich, Italien, die Niederlande, Polen, Schweden und das Vereinigte Königreich.

Wobei sich etwa ergeben hat, dass in Polen der Frauenanteil in der Kultur mit 55 Prozent im Jahr 2015 am höchsten war und Frauen dort 2014 nur zehn Prozent weniger verdienten als Männer. Danke, sozialistisches Erbe, vielleicht. Und auf jeden Fall danke, polnische Großeltern, denn im Bereich staatlicher Betreuung hapert es in Polen immens. Schweden indessen verzeichnet im Beobachtungszeitraum generell eine Lohnlücke von nur vier, im Kulturbereich aber von elf Prozent und hat dort gleichzeitig den steilsten Zuwachs des Frauenanteils aufzuweisen (von 47 auf 53 Prozent).

Wert hat sich von 29 auf 30 Prozent vergrößert

Neben solchen kulturell aufschlussreichen Vergleichen bietet die Studie etliche Hinweise auf länderspezifische Maßnahmen. Die niederländischen (staatlichen) Programme zur Steigerung des Frauenanteils in Entscheiderpositionen etwa. Denn im deutschen Kultur- und Medienbetrieb sind Frauen mit 21 bzw. 16 Prozent eklatant unterrepräsentiert. Auch herrscht bei uns dort die hartnäckig größte Lohnlücke:

Der Wert hat sich von 29 auf 30 Prozent vergrößert, während Frankreich von 17 auf ebenfalls 30 Prozent abgestürzt ist – als ob der verordnete größere Frauenanteil auch aus den eigenen Reihen mitfinanziert werden müsste. Eine europaweit lehrreiche Lektüre also, die von der nächsten Bundesregierung durchaus als konkreter Handlungsauftrag verstanden werden müsste.