Berlin - Der Wetterbericht sagt, es wird Sonntag kalt und wohl auch schneeweiß. Welche Freude für die Kinder. Als Alternative oder Ergänzung zur Schneeballschlacht bieten 40 Berliner Galerien im Lockdown das Kunstbetrachten an der frischen Luft an – sofern sie über Schaufenster oder einen Außenraum für Skulpturen verfügen.

„Um all der Unsichtbarkeit zu trotzen haben wir jetzt ‚Sunday Open – Lights on!‘ ins Leben gerufen“, schreibt Kirsa Geiser, Hausgeberein von Gallery-Index Berlin auf ihrer Online-Plattform. Ein Parcours entlang der Kunst-Schaufenster – draußen, mit Abstand und Maske.

Not macht erfinderisch, das alte Sprichwort gilt wie eh. Und so wollen am Sonntag etliche Kunstorte von 12 bis 18 Uhr das Licht anknipsen, um ihre Ausstellungen – von außen – sichtbar zu machen. Manche greifen gar zur Interaktion: Ariel Reichmann macht Teile seiner Schau „This is worse“ an der Fassade der Galerie PSM am Schöneberger Ufer sichtbar. Betrachter können mit dem Handy über www.iamnotsafe.digital sogar selber steuern, was sie sehen möchten. Beim Galeristen Wentrup in der Knesebeckstraße erwartet einen neben dem Schaufenstereinblick eine Künstlerführung des Bildhauers Olaf Metzel per Handy. Der am Fenster angebrachte Code zum Scannen machts möglich.

Das imposanteste Schaufester von allen Berliner Kunstorten hat eh der immer experimentiermutige  Galerist Thomas Schulte im   Jugendstil-Tutor-Haus an der Leipziger Straße. Die Spanierin  Angela de la Cruz hat  dort ihre magischen pop-artigen Objekte im Halbrundschaufenster arrangiert, als hätte sie das nie für einen Innenraum geplant. Also sieht das so gar nicht nach Notfall aus, sondern ist sehr originell.

Freilich ist es ungewohnt, Malerei durch die Fensterscheiben betrachten zu müssen. Und doch schafft Jason Martin es, seine Bilder in der Buchmann-Galerie an der Charlottenstraße sinnlich nahezubringen. Die Fenster übernehmen quasi die Funktion der Rahmen. Intensive Farben bedecken reliefartig die Alu-Flächen des Malers, der in die nasse Farbe mit dem Kamm Muster zog. In den Wirbeln und Furchen reflektiert das Licht der Deckenstrahler. Als wollte der Brite in die graue, melancholische Pandemiezeit etwas Frische und Lebenslust bringen. 

Weitere Infos unter: www.indexberlin.com/lights_on