Seit dem 15. März 2000 durchsucht das Portal Perlentaucher.de die Welt des Feuilletons nach Meldungen, Meinungen und Kritiken.
Foto: Berliner Zeitung

BerlinZwanzig Jahre sind eine lange Zeit, aber noch keine Epoche. Und doch verdient die Lebensdauer des Internetportals Perlentaucher.de, das seit dem 15. März 2000 zuverlässig an jedem Werktag die Welt des Feuilletons nach Meldungen, Meinungen und Kritiken durchsucht und diese zusammenfasst, ein anerkennendes Erstaunen. 

Denn Anja Seeliger, Thierry Chervel und deren Kollegen, die das Projekt in mehr oder minder selbstausbeuterischer Mission auf den Weg gebracht haben, haben es über die Jahre in bemerkenswerter Kontinuität lebendig gehalten. Eine unverzichtbare Dienstleistung für alle, die kulturelle Erzeugnisse nicht nur konsumieren, sondern sich auch für deren Entstehen und Wirkung interessieren. Ein Muss also für Leser, Kunstfreunde und alle, die sich öffentlich darüber austauschen?

Entschlossen subjektiv

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Die Perlentaucher-Redaktion hat es immer auch verstanden, sich die lieben Kollegen als skeptische und leicht reizbare Klientel auf Distanz zu halten. Nicht wenige fühlten sich vom Perlentaucher schlecht behandelt oder falsch verstanden. Das ergab sich schon aus der Unabhängigkeit der Redaktion und deren Lust, sich gegen Meinungsgleichklang zu positionieren.

Obwohl der Perlentaucher sich als Überblicksmedium anbietet, ist die Redaktion in ihrer Wahrnehmung doch entschlossen subjektiv. Die Supervision für das Feuilleton ist keineswegs immer konfliktfrei verlaufen, und zwischen 2006 und 2011 hatten sich die Perlentaucher in diversen Gerichtsprozessen gegen den Vorwurf der Urheberrechtsverletzungen zu erwehren, die sich auf die Verwendung von Buchkritiken anderer Medien in Form sogenannter Abstracts bezogen, die seither unter bestimmten Beschränkungen zugelassen sind.

Hervorgegangen sind die Perlentaucher aus der Redaktion der Taz, wo Thierry Chervel, Anja Seeliger und Thekla Dannenberg über viele Jahre tätig waren. Das Hauptaugenmerk seiner Beobachtungslust lag für Perlentaucher-Gründer Thierry Chervel, der außerdem einige Jahre als Kulturkorrespondent für die Süddeutsche Zeitung in Paris tätig war, auf internationalen politischen Debatten, die in der selbstbezüglichen deutschen Feuilletonlandschaft meist viel zu kurz kommen. Allein wegen des Blicks in internationale Blätter lohnt das Aufsuchen des Perlentauchers, zu dessen obersten Prinzipien es gehört, die Leser bei der Verbreitung von Nachrichten nicht dümmer werden zu lassen.

Mit Beharrungsvermögen

Ausgewogenheit ist für die Perlentaucher-Leute in diesem Zusammenhang weder Pflicht noch Gebot. Wenn sie sich für eine Position entschieden haben, versuchen sie auch, diese stark zu machen. So war es auch in Bezug auf die Kritik an der Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke. Der Perlentaucher gab ausführlich wieder, was geschrieben und kommentiert wurde, lieferte zusätzlich aber auch ein umfangreiches Dossier über Handkes Serbien-Texte, das eine abwägende Haltung kaum zuließ.

Allein für das Beharrungsvermögen, jeden Morgen hinabzutauchen in die Welt des Meinens und Bewertens und zwischen all dem Tang auch natürliche Schätze zu entdecken, verdienen die Perlentaucher nicht nur Bewunderung, sondern als unabhängiges Medium auch Unterstützung, die es zum Fortbestehen für die Zukunft braucht.