Zum 70. Geburtstag von Suzi Quatro startet der Dokumentarfilm „SUZI Q“ ab 3. Juni als Video on Demand und ab 4. Juni 2020 in ausgewählten Kinos.
Quelle: ZOOM Medienfabrik

BerlinSie ist klein und laut, ein Energiebündel in einem Leder-Catsuit, ausgestattet mit einem ziemlich großen Instrument und passend bemessener Klappe. Mit der macht sie in der machistisch geprägten Welt des Hardrock klare Ansagen, die sie zwar nicht gänzlich vor der gönnerhaften Herablassung männlicher Strippenzieher schützen, ihr aber den dauerhaften Respekt von Kolleginnen und  Kollegen einbringen. Trotzdem wird sie immer wieder mal mit Joan Jett verwechselt, dabei sollte es doch eher umgekehrt sein.

Die Rede ist von Suzi Quatro, Gegenstand des im Grunde längst überfälligen Dokumentarfilms „Suzi Q“ von Liam Firmager. Quatro war eine Wegbereiterin, Frontfrau einer Hardrock-Band, die nicht nur sang, sondern auch den Bass spielte. Die also unmissverständlich den Ton angab zu einer Zeit, als Frauen wie sie in diesem Genre so rar waren wie die Einhörner. Dass das in den 1970ern gewesen sein soll und damit gerade mal ein paar Jahrzehnte her, mag man gar nicht so recht glauben. Allerdings traut man auch seinen Augen nicht, angesichts einer Szene, in der ein TV-Journalist die junge Quatro mit dem Rücken zur Kamera dreht und ihr auf den Hintern haut, bevor sie sich zum Interview hinsetzen kann. Ein ungeheuerlicher Moment, festgehalten in einer der historischen Originalaufnahmen, die in „Suzi Q“ zum Einsatz kommen - neben fotografischem Archivmaterial und aktuellen Interviews mit Zeit- und Weggenossen sowie Quatro selbst.

In ihrer Machart mag die Dokumentation des Australiers Firmager zwar etwas konventionell geraten sein, zum Ausgleich ist sie temporeich und kurzweilig. Sie vermittelt zudem etwas von den Übergriffen – in Gestalt tatsächlicher Handgreiflichkeiten wie der eben erwähnten und in Form von Projektionen ausbeuterischer Images -, mit denen sich die Musikerin vor allem zu Beginn ihrer Karriere konfrontiert sah. Nicht zuletzt jedoch lässt sich an den Widerständen, die die Quatro Zeit ihres Lebens überwand, auch die Härte ihres Sturschädels ermessen.

Von Beginn an, so die Musikerin in jenem rückblickenden Interview, das das Material ordnet und den Film zusammenhält, habe sie gewusst, was sie wollte und eisern an ihren Zielen festgehalten, selbst als das die Entfremdung von ihrer Familie bedeutete. Ihre musikalische Sozialisation nämlich erfuhr die 1950 in Detroit geborene Suzi als Teil einer All-Girls-Group, in der auch ihre Schwestern Patti und Arlene mitwirkten. Die haben ihr den Alleingang nach London, aus dem schließlich der Weg zum Ruhm wurde, nach wie vor nicht verziehen. Dazu passt, dass Suzi Quatro in den USA nie vergleichbare Erfolge wie in Europa und Asien feiern konnte. Ganz so, als habe sie mit ihrer Emanzipation die Heimat verraten und müsse bis heute den Preis dafür zahlen.

Suzi Q (Australien 2019) Regie: Liam Firmager,  good!movies, ca. 16 Euro.