Berliner Entertainer Sven Ratzke feiert mit seiner neuen Show die Musik-Ikone David Bowie.
Foto: Edland Man

BerlinMehr als drei Jahre ist es her, dass Musik-Legende David Bowie im Alter von 69 Jahren starb, nun erwacht sein musikalisches Werk wieder zum Leben. Am 14. Oktober feiert in der Bar jeder Vernunft „Where are we now“ Premiere, eine neue Musik-Show des Berliner Entertainers Sven Ratzke. Es ist seine zweite Hommage an den großen Musiker. Mit der ersten wurde der 42-Jährige zum gefeierten Theater-Star.

Bereits 2015 brachte er mit „Starman“ ein Programm mit der Musik von Bowie auf die Bühne, reiste damit um die ganze Welt und gewann beim weltgrößten Theaterfestival „Fringe“ in Edinburgh den Preis für die beste Show. „Mitten in unserer Tour starb Bowie plötzlich“, sagt Ratzke.

„Sein letztes Album, das zwei Tage vor seinem Tod erschien, habe ich mir lange nicht anhören können. Wenn man sich so intensiv mit einem Künstler beschäftigt, jeden Tag seine Lieder singt, dann fühlt es sich so an, als würde man einen guten Freund verlieren.“

Bowie sei ein Phänomen gewesen, seine Musik umwerfend. „Und er hat es in all den Jahrzehnten immer wieder geschafft, etwas Neues zu kreieren. Das habe ich an ihm geschätzt.“

Sven Ratzkes Frage an die Gesellschaft

Ratzke hatte sogar persönlichen Kontakt mit dem US-Musiker. „Er war, was die Rechte an seinem Repertoire betraf, sehr streng, segnete persönlich ab, dass ich seine Musik nutzen durfte. Ich habe noch heute eine Mail, die er mir schrieb, als ich 2013 um die Genehmigung bat.“ Bowie räumte ihm alle Rechte ein.

„Where are we now“ wird, wie schon „Starman“, Bowie-Songs präsentieren, allerdings ohne Band – zu hören sind nur ein Klavier und Ratzkes Stimme. Dazu erzählt der Entertainer, der aus Holland kommt, aber bei seinen Großeltern in Berlin aufwuchs, poetische Geschichten, mal lustig, mal tragisch.

„Dort verarbeite ich viele persönliche Erlebnisse. Ich hatte zum Beispiel mal einen Auftritt in New York, traf danach eine Dragqueen, die mich auf einem Dreirad in einen Schwulenclub mitnahm. Dort liefen Pornofilme aus den 70er-Jahren – viele Haare, weiße Tennissocken. Solche Geschichten erzähle ich in meiner ganz eigenen Art, so dass sich die Leute fragen: Ist es wirklich wahr?“

Zwischen alldem gibt es auch ernste Untertöne, denn der Titel „Where are we now“ („Wo sind wir jetzt“) ist nicht nur ein Song, sondern auch Ratzkes Frage an die Gesellschaft. „Es gibt Trump, die Rechten werden stärker, jeder fragt sich doch, wo wir heute stehen.“

Sven Ratzke organisiert Touren von Amsterdam aus

Nach der Premiere (wieder: 19. Oktober in der Bar jeder Vernunft) wird Ratzke, der schon als Kind schauspielerische Tendenzen zeigte und seit Jahren auf den Bühnen der Welt zuhause ist, mit der Show um die Erde reisen.

„Das ist für mich sehr schön – ich habe Berlin im Blut, und wenn ich mit so einem Programm in Sydney oder in Mexiko auf der Bühne stehe, fühlt es sich so an, als würde ich den Menschen dort ein Stück Berlin bringen“, sagt er. Er liebt die Hauptstadt, auch wegen des besonderen Publikums.

„Die Leute hier wollen Qualität sehen, lassen sich nicht verarschen. Deshalb werden die Premieren hier gefeiert.“ Die Touren organisiert er dennoch von Amsterdam aus, seiner Heimat. Aber nur aus einem Grund: „Wir haben den besseren Flughafen.“