Im Jahr 1947, zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, werden in Europa die ersten Spielfilme über Antisemitismus und Holocaust gedreht. Wanda Jakubowska inszeniert in Polen „Die letzte Etappe“, einen Bericht über das Innenleben im Konzentrationslager Auschwitz. Kurt Maetzig beschreibt in „Ehe im Schatten“ das Schicksal einer Berliner jüdischen Schauspielerin, die gemeinsam mit ihrem Mann in den Freitod geht. Artur Brauner bereitet „Morituri“ vor, über den Überlebenskampf jüdischer Flüchtlinge, die sich in polnischen Wäldern vor der SS versteckt halten. Und Georg Wilhelm Pabst schildert in „Der Prozess“ die Umstände eines Pogroms im Österreich-Ungarn des späten 19. Jahrhunderts. Allesamt Filme, die darum ringen, das unfassbare Verbrechen für ein großes Publikum erfahrbar zu machen. Nicht frei von melodramatischem Pathos, und doch: erschütternde Mahnungen für Gegenwart und Zukunft.

Auch ein amerikanischer Film reiht sich ein: „Gentlemen’s Agreement“ von Elia Kazan, produziert von der Twentieth Century Fox, in deutschen Kinos „Tabu der Gerechten“ genannt. Der erste Hollywoodfilm, der sich des latenten alltäglichen Antisemitismus in den USA annimmt und damit an ein Tabu rührt. Hauptfigur ist ein liberaler Journalist, der von seinem New Yorker Magazin den Auftrag erhält, eine Serie über heimische Judenfeindlichkeit zu schreiben. Gregory Peck spielt ihn mit zunehmendem Zorn.

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