Christina Große und Bjarne Mädel; als Kind: Moritz Thiel. 
Foto: dpa/ZDF/Marion von der Mehden

BerlinErst freut sich der Architekt Lars (Barnaby Metschurat) über den letzten Schneefall. Dann wird er ihm zum Verhängnis. Auf glatter Straße im dichten Schneetreiben, abgelenkt von der Musik und geblendet vom Gegenverkehr, überschlägt er sich mit dem Auto – die elfjährige Tochter auf dem Rücksitz stirbt. Der Hamburger Kriminalkommissar Johannes Fischer (Henry Hübchen) muss sich noch um eine zweite Tote aus jener Nacht kümmern: Auf dem Hof einer schicken Apartment-Siedlung liegt die erschossene Lisa, eine junge, aus Rumänien stammende Studentin (Mercedes Müller).

Zwei Todesfälle, zwei Familien − und zwei Männer geraten in den Fokus. Der nur leicht verletzte Todesfahrer, noch schwer unter Schock, flüchtet sich in die Beteuerung, der Fahrer des Gegenverkehrs hätte den Unfall verursacht. Parallel begleitet der Film den Banker Markus (Bjarne Mädel), der die ermordete Lisa acht Wochen zuvor bei einer Dienstreise nachts in einer Hotelbar kennengelernt und ihr in Hamburg ein schickes Apartment eingerichtet hatte. Seine depressive Frau (Christina Große) ahnt nichts vom Verhältnis, nur sein kleiner Sohn zieht Markus noch nach Hause.

Drama mit eigener Spannung

Im Zentrum des Films aber steht nicht der Zusammenhang der ominösen Fahrten im Schneetreiben, sondern die Frage, wie die beiden Paare mit dem dramatischen Verlust und der starken Entfremdung umgehen. Die beiden nur lose verknüpften Geschichten kommentieren einander, sowohl die Kontraste als auch die Gemeinsamkeiten geben dem Drama seine eigene Spannung. Voller Trauer steckt auch der Kommissar. In der Buchvorlage von Jan Costin Wagner steht er sogar im Mittelpunkt. Drehbuchautor Nils-Morten Oburg verlegte die Handlung von Finnland nach Norddeutschland und koppelte das Buch aus der Reihe um den Kommissar Kimmo Joentaa aus. Der deutsche Kommissar Fischer hat seine Frau vor einem Jahr verloren und stürzt sich deshalb auch nachts in die Arbeit oder fährt an die See.

Der Regisseur Lars-Gunnar Lotz, der ansonsten für das ZDF die „Stralsund“-Krimis in Szene setzt, steigt hier aus der Krimi-Dramaturgie aus, nennt „Tage des letzten Schnees“ einen Film über Einsamkeit und findet angemessene, passende Bilder. Allein wie er die trauernden Figuren in ihren Räumen arrangiert, erzählt viel, die Dialoge bleiben sparsam, fast karg, aber genau.

Drama um Schuld und Verantwortung

Die durchweg starken Schauspieler bringen einem die Figuren ungewöhnlich nahe. Das gilt für Barnaby Metschurat und Bjarne Mädel ebenso wie für ihre Filmfrauen: Victoria Mayer spielt die Gattin des Todesfahrers, die den Tod der Tochter zunächst völlig verdrängt und dann so stark von der Trauer gepackt wird, dass sie nicht mal zur Beerdigung gehen kann. Christina Große zeigt in wenigen Szenen, dass sie die Ehe gar nicht aufgegeben hatte, von ihrem Mann aber kaum noch gesehen wird. Während sich das Drama um Schuld und Verantwortung zuspitzt, deutet der Film schließlich eine Art Ausweg für Kommissar Fischer an – Henry Hübchen hätte man gern noch öfter in dieser Rolle gesehen.

Tage des letzten Schnees

Montag, 3.2.2020, 20.15 ZDF