Hinterhaus, kein Balkon. Ab Tag acht meiner Quarantäne habe ich langsam das Gefühl, durchzudrehen. Ich bin nur Kontaktperson und fühle mich kerngesund, muss mich dennoch vorsorglich isolieren. Einmal erwische ich mich dabei, wie ich mir nach Feierabend nur ein bisschen die Beine vertreten will, um dann 45 Minuten im Kreis im Wohnzimmer meine Runden zu drehen. Ein anderes Mal wie ich laut kommentiere, was ich gerade koche. Ein klassisches Selbstgespräch. Wie schnell kann man in der Einsamkeit eigentlich den Verstand verlieren? Ich vermisse meine beiden Kater, mit ihnen an meiner Seite wirken blamable Selbstgespräche einfach mehr wie Unterhaltungen. Diese vorsorgliche Quarantäne, sie ist ja richtig, sage ich mir immer wieder. Dass es aber so schwer wird, so mürbe macht, habe ich nicht erwartet.

Freiwillig habe ich mich aus meiner Wohnung, in der ich nicht allein lebe, ausquartiert und bin in der freien Wohnung eines Freundes untergekommen. Hier gibt es aber nach Feierabend nichts zu tun. Hier ist nichts aufzuräumen oder zu sortieren. Keine Dreckwäsche, die in die Maschine sortiert werden muss. Müll darf ich auch nicht rausbringen. Gähnende Leere ab 19 Uhr. Lesen fällt zunehmend schwer, ich kann mich nach über einer Woche isolierter Einsamkeit nur schlecht konzentrieren. Schlafstörungen kommen dazu – der Kopf ist müde, der Körper munter. Ich kontrolliere mich bereits nach wenigen Tagen ständig auf mögliche Krankheitszeichen, messe dauernd Fieber.

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