Den größten Unterschied zwischen alt und neu gab es innerhalb einer Stunde zu sehen und zu hören respektive nicht zu hören. Am Sonnabend Punkt 20 Uhr verkündete Angelina Jolie oder doch ihre deutsche Synchronstimme: „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der ,Tagesschau‘“, dann erschien Jan Hofer, graublauer Anzug, weißes Hemd, rote Krawatte, und berichtete Ungemütliches aus der Ukraine. In jeder Hinsicht schöner wäre es natürlich gewesen, wenn Angelina Jolie mit besseren Nachrichten aufgetaucht wäre, aber man kann eben nicht alles haben.

Auch nicht immer den Ton zum Bild. Eine Stunde später erschien Jan Hofer, graublauer Anzug, weißes Hemd, rote Krawatte, erneut und berichtete wahrscheinlich Ungemütliches aus der Ukraine. So genau weiß man das nicht, denn die Kurznachrichten auf dem Digitalsender tagesschau24 kamen ohne Ton aus. Auch in diesem Falle gilt: Man kann nicht immer alles haben.

18 Meter lange Videowand

Dafür hat die ARD seit Sonnabend ein neues und ziemlich teures Studio, und wenn Bild und Ton zusammenkommen, zahlt sich die Investition auch aus. Ob es wirklich 24 Millionen Euro sein mussten, ist eine andere Frage, aber die 18 Meter lange, halbrunde Videowand hinter Hofer macht schon eine Menge her. Noch besser kommt die Wand in den „Tagesthemen“ zur Geltung. Zum einen, weil die Moderatoren daran auch Nachrichten anhand von Videos, Panoramabilder und Infografiken besser zeigen können. Zum anderen lenkt die große Wand mit den bunten Bildern und der Schrift für Sehschwache sehr schön von Thomas Roth ab. Allein das ist Millionen wert.

„Herzlich Willkommen in unserem neuen Studio“, begrüßte Roth, dunkler Anzug, weißes Hemd, hellblaue Krawatte, das „Tagesthemen“-Publikum. Nicht ganz so neu geriet das erste Thema der Sendung. Natürlich ging es wieder um die Ukraine, daran führt in diesen Tagen auch kein neues Studio vorbei, aber die Geschichte über die politisierten Fußball-Ultras im Land stand unlängst erst in einer großen deutschen Tageszeitung. Dafür sah es dank neuer, toller Videowand so aus, als ob Thomas Roth irgendwo in Donezk vor einer Barrikade von Autoreifen steht. Wirklich toll!

Doch in der Wand lauert auch Gefahr. Sie wird von sieben Projektoren bespielt und war der Grund, weshalb sich die Einweihung des neuen Studios beträchtlich verzögerte – wenn auch nicht in Flughafendimensionen. Ein erster Testlauf scheiterte 2012 an Problemen mit der Software. Ostern zwei Jahre später funktioniert alles einwandfrei.

Euphorischer Jan Hofer

Entsprechend euphorisch zeigte sich der Chefsprecher Jan Hofer und sprach von einem „perfekten“ Start. Dazu trugen sicherlich auch die guten Quoten bei. Insgesamt über neun Millionen Zuschauer haben am Sonnabend die „Tagesschau“ verfolgt, davon 6,21 Millionen im Ersten, die anderen in den Dritten ARD-Programmen sowie auf 3Sat und Phoenix. So kam die Hauptnachrichtensendung im neuen Studio auf einen Marktanteil von knapp 39 Prozent. Um die „maximale Wirkung“ zu erzielen, wie der Erste Chefredakteur von ARD-Aktuell, Kai Gniffke, zugab, legte die ARD die Studiopremiere extra auf einen Sonnabend nach der Bundesliga-„Sportschau“. Jetzt hätte bloß noch Angelina Jolie die Nachrichten verlesen müssen. Schon wegen der maximalen Wirkung.