Berlin - Leuchtende Ballons hat es gegeben, ein Konzert mit Daniel Barenboim, seit Tagen Sondersendungen im Fernsehen. Und dann kommt auch noch Günther Jauch mit dem Thema Mauerfall. Schwierig, da einen neuen Höhepunkt zu setzen.

Jauch versucht dafür ein ganz eigenes Genre: die Nacherzählung. Der Ablauf des Mauerfallabends aus Sicht eines Reporters (Georg Mascolo), eines Grenzoffiziers (Harald Jäger), eines Ost-Schauspielers (Jan-Josef Liefers), eines Politikers (Klaus Wowereit) und einer Frau, die vor 25 Jahren endlich von Ost nach West durchs Brandenburger Tor schritt (Bärbel Reinke).

Jauch gibt die Einsätze, er hat den Ablauf des 9.11.1989 in Minuten aufgeteilt: Der Politiker hatte Gäste aus dem Osten. Der Schauspieler erinnert sich nicht daran, in welchem Stück er gespielt hat. Die Grenzgängerin erzählt, an welchen Grenzübergängen sie an diesem Abend gewesen ist, und Jauch zeigt dazu den Stadtplan. Der Grenzer fühlte sich alleine gelassen von seinen Vorgesetzten, weiß aber nicht mehr, welches Fernsehteam zuerst bei ihm gefilmt hat.

Jauch weiß, dass es nicht die Japaner gewesen sind oder das ZDF, sondern sein Talkshow-Gast Mascolo von Spiegel TV. Der Moderator fragt ihn staunend, ob es nicht ziemlich verboten gewesen sei, dass das Kamera-Team zum Filmen an diesem historischen Abend auch noch auf einen Zaun gestiegen sei.

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Ganz zum Schluss kommt dann doch noch ein Ansatz von Debatte auf. Der Auftritt Wolf Biermanns im Bundestag mit den Ausfällen gegen die Linkspartei soll bewertet werden. Reinke und Wowereit finden das Verhalten fehl am Platze. Liefers hält dagegen, Abgeordnete müssten nur vor körperlichen, nicht aber vor verbalen Angriffen geschützte werden.

An einem 9. November könne man auch viel verzeihen, sagt Wowereit. Vielleicht auch so eine dahinplätschernde Sendung.