Vielleicht war es ein kollegialer Gruß, als eine von Günther Jauchs Sendungen kürzlich den Titel trug: „Wulff und die Amigos – wenn Politik auf Wirtschaft trifft…!“. Vielleicht war es aber auch eine kleine, gemeine Spitze gegen Frank Plasberg, bekanntlich lautet das Motto seiner Sendung schließlich: „Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft“.

Um über diese und andere Seitenhiebe zu sprechen, haben Vertreter aller fünf ARD-Talkshows am heutigen Aschermittwoch Gelegenheit. ARD-Chefredakteur Thomas Baumann, seines Zeichens Koordinator der Talks im Ersten, hat zu einer Art Gipfeltreffen nach München eingeladen.

Offiziell geht es nur um einen „Erfahrungsaustausch“. Doch tatsächlich scheint es zwischen den Fünfen zu rumoren. Es geht um Themen und um Gäste, und immer wieder sind es vor allem zwei, die sich ins Gehege kommen: Plasberg mit „hart aber fair“ am Montag und Jauch am Sonntag. Das eigens zur Konfliktvermeidung zwischen den Talk-Redaktionen eingerichtete Portal „1Talk5“ spricht Bände.

Gegenseitige Unterstellungen

Mancher, der Zugriff hat auf diese Datenbank, hat zum eigenen Amüsement schon Typologien erstellt. Da gibt es jene Redaktion, die erst auf den letzten Drücker Thema und Gäste einträgt, eine andere notiert gern gleich zwei Themen mit den entsprechend zugeordneten Gästeanfragen; wieder eine andere ist bekannt dafür, kurz vor Toresschluss auf ein völlig neues Thema mit völlig neuen Gästen umzuschwenken.

Nicht zu vergessen jene, die so ziemlich jeden prominenten Namen aufschreibt, der einem zu einem bestimmten Thema als möglicher Gast in den Sinn kommt. Jeder hat eben seine Arbeitsweise, könnte man folgern.

Aber die Redaktionen unterstellen einander böswilligen Hintersinn. Da glaubt die eine von der anderen, sie gebe absichtlich kurzfristig das Thema bekannt, damit bloß keine andere ihr in die Quere kommt. Die Nächste hat den Eindruck, indem eine Redaktion gleich acht bis zehn Gäste als „angefragt“ einträgt, wolle sie nur die Namen für sich blocken.

Unweigerlich erinnert man sich an Reinhold Beckmanns Zitat vor Einführung der neuen Talkschiene im Ersten. Dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel sagte er damals, er werde jetzt einfach „auch mal zwei Wochen hintereinander den Papst eintragen. Mal mit Dalai Lama und mal ohne“.

Und siehe da: Im Dezember tat Frank Plasberg Ähnliches. Grau unterlegt, was das Zeichen ist für „angefragt“, standen da folgende Namen: „Helmut Kohl, Alice Schwarzer, Juliane Weber, Jörg Kachelmann, die Barone zu Guttenberg und Münchhausen“. Sie alle seien demnach angefragt, bei „hart aber fair“ über folgendes Thema zu diskutieren: „Jetzt sage ich endlich die Wahrheit“ („Arbeitstitel“).

Wie Jauch dem "Markencheck" Konkurrenz macht