Tanz: Kugelkörper, Kettenkörper im Berliner Hau 1

Berlin - Vier junge Menschen kugeln ihre Körper auf der Hinterbühne des Hau 1 ineinander. Sie fassen sich an die Waden und die Arme, krabbeln ineinander, stöhnen, geraten aus dem Gleichgewicht, rutschen ab, versuchen es wieder und wieder. Wie können Körper ineinander verschmelzen? Wie kann man Grenzen auflösen? Wie funktioniert, wenn man es mit dem Körper darstellt, ein Kollektiv?

In unterschiedlichsten Variationen begegnen einem solche Fragen in letzter Zeit ziemlich häufig. Auch der portugiesische Choreograf Gui Garrido stellt sie in seinem Stück „Best Beast“.

Vor drei Jahren hat Garrido als völlig unbekannter Newcomer gemeinsam mit seinem Partner Pieter Ampe den Tanz im August aufgemischt, mit einer kleinen Arbeit im Hau 3, dem „Still difficult Duett“. Es war die überraschende Frischzellenkur in einem ansonsten eher öden Festivaljahrgang. Zwei Männer, die sich ihrer Kleidung entledigen, die ihre Leiber gewaltig aufeinander klatschen lassen und sich gegenseitig wehtun, ohne dabei gleich Sadomaso-Fantasien zu wecken, sondern eher solche an ein pures, rohes Leben. Die nächste Arbeit der beiden, „Still standing you“, war eine intelligente und ebenfalls packende Fortsetzung.

Großartig und unvorhersehbar

Das alles sollte man aber lieber vergessen, wenn man jetzt die jungen Kugelleiber in Garridos erster Gruppenarbeit sieht, in dem der Choreograf Gemeinschaft als architektonisches Konzept untersucht. Also werden Körper-Pyramiden und Körper-Ketten gebaut, Festungen und Klumpen. Irgendwann zwischendurch, als sich die vier unaufhörlich miteinander verhakelten Performer erstmals auseinander dividieren, mit komischer Schlagseite über die Bühne torkeln, die Gesichter grotesk verziehen und merkwürdige Geräusche von sich geben, da glaubt man: Jetzt beginnt es. Jetzt wird es absurd, fremd, großartig und unvorhersehbar. So, wie man es von Garrido kennt, wenn er selbst auf der Bühne steht.

Aber dieser Moment vergeht leider wieder. Brav werden weiterhin verschiedene Möglichkeiten des sich Verhakens und Bewegens als Vier-Körper-Großkörper ausprobiert. Es soll alles, in einem konzeptuellen Sinn, eine Form haben. Ein Thema soll verfolgt werden. Also darf man auf keinen Fall einfach irgendwo anders landen.

In den Abgründen, die sich auftun, wenn man miteinander arbeitet und in die Garrido sich gemeinsam mit Pieter Ampe früher begeistert hinein gestürzt hat. Jetzt lugt man nur von oben ein wenig über die Kante. Was dabei entsteht ist oft heiter und sympathisch, aber über weite Strecken eben auch ziemlich banal.

Best Beast ist noch am 6. und 7. Januar zu sehen, um 19.30 Uhr im Hau 1, Karten unter 25 90 04 27