Um nur einige der bekanntesten Namen zu nennen: Christina Ciupke und Isabel Schad haben unterschrieben, Renate Graziadei und Arthur Stäldi von Laborgras, Dieter Baumann und Jutta Hell von der Compagnie Rubato und Xavier Le Roy ebenfalls. Sieben Tanzschaffende von rund 2 400, die es in Berlin gibt, und sieben von bislang (Stand Montagnachmittag) 378 Personen, die eine Online-Petition unterschrieben haben, die „empört und frustriert“ gegen die Behandlung des Tanzes im Haushaltsentwurf 2020/21 des Berliner Senats protestiert. Sabine Bangert von Bündnis 90/Die Grünen, Vorsitzende des Kulturausschusses des Abgeordnetenhauses, kann den Protest voll und ganz verstehen und sagt am Telefon: „Das geht gar nicht.“

Was ist passiert? Nach einem monatelangen partizipativen Prozess an einem Runden Tisch Tanz, nachdem sich also Verwaltung, Politik und Tanzwelt 2018 gemeinsam Gedanken über Empfehlungen zur Förderung der freien Berliner Tanzszene gemacht und diese mit sechs Millionen Euro jährlich beziffert haben, steht im Haushaltsentwurf jetzt unter „Sonstige Zuschüsse an Bühnen und Tanz“: 700 000 Euro „zur Finanzierung von Bedarfen, die als Ergebnisse des Runden Tisch Tanz formuliert werden“.

Der Verein Zeitgenössischer Tanz Berlin startete eine Online-Petition

Allerdings kommen dazu noch Anteile an weiteren Töpfen, etwa dem für Stipendien für Darstellenden Kunst und Tanz (66 000 Euro), selbst wenn diese Posten juryabhängig sind und man nicht weiß, wieviel Geld jeweils an den Tanz gehen wird. Und mit dem Dock 11 und der Tanzfabrik sind zwei wichtige Tanzorte mit je 400 000 Euro in jedem Haushaltsjahr neu in die Konzeptförderung aufgenommen worden, was definitiv eine Strukturförderung ist.

Der Interessensvertreter ZTB (Zeitgenössischer Tanz Berlin e.V.) lachte in seiner Stellungnahme von Ende Juli dennoch bitter auf, startete die Online-Petition und legte eine Aufstellung von Minimalmaßnahmen vor, die sich auf 1,3 Millionen Euro in 2020 und 1,8 Millionen Euro in 2021 belaufen. Stipendien und Residenzen sowie eine Besseraustattung auch dezentraler Orte stehen im Fokus – Überlebensbojen in den Wassern des künstlerischen Prekariats.

„Die sechs Millionen Euro aus den Empfehlungen des Runden Tisches Tanz sind keine Mondzahl, sondern ein realistischer Betrag“, sagt Bangert, die am Runden Tisch Tanz teilgenommen hat. „Und auch wenn sich das nicht sofort im Haushalt abbilden kann – siebenstellig muss die Summe schon sein.“ Bei der ersten Haushaltslesung des Kulturausschuss am kommenden Montag wird es diesbezüglich also in die Details gehen und werden vermutlich Umschichtungen zugunsten des Tanzes gefordert werden. Der ZTB sinnt nach einem Dance-In vor dem Hebbel-Theater bei der Eröffnung von Tanz im August vergangenen Freitag derweil auf weitere Aktionen unter dem Motto „Dance for Millions of Reasons“ – und für sechs Millionen Euro.