Ein Meteorit fliegt durch das All, taucht in die Atmosphäre ein und vernichtet alles Dinosaurierleben auf der Erde. Ratlosigkeit befällt uns angesichts des Leinwandgeschehens, denn wir wähnten uns in der Pressevorführung von „Tarzan“, dem neuen 3D-Animationsspektakel aus deutscher Produktion. Wie sich herausstellt, ist der Meteroiteneinschlag aber nur einer der zahlreichen bizarren Einfälle des Regisseurs und Drehbuchautors Reinhard Klooss, um sich der populären Figur von Rice Edgar Burroughs zu nähern. Kurze Zeit später sehen wir einen vielleicht siebenjährigen Tarzan, der den Tod seiner Eltern miterlebt, als sein Forschervater Greystoke in Afrika endlich den lang gesuchten Meteoriten findet. Eine unerschöpfliche, aber tödliche Energiequelle.

Das Waisenkind wird alsdann von einer Affenmutter aufgezogen, spielt mit seinen Gorillafreunden im Urwald, behauptet sich, wovon es ordentlich Muskeln bekommt und staunt Bauklötze, als plötzlich Jane durch den Urwald stolpert. Vermutlich ist Jane das erste menschliche Wesen überhaupt, dessen Tarzan angesichtig wird, denn Afrika wird sonst augenscheinlich nicht von Menschen bewohnt. Das ist insofern erstaunlich, als Klooss sich explizit stärker auf die literarische Vorlage zu stützen behauptet, als die Mehrheit der bisherigen fast einhundert Tarzan-Verfilmungen. Im Roman wimmelt es im Unterholz aber geradezu vor lauter kannibalischen, sinnlos grausamen und hässlichen „Negern“. Rassismus, Sexismus und Gewaltexzess also meidend, wird die Rolle des Bösen dem kapitalistische System der weißen Männer übergeholfen. Hier in Form eines ruchlosen modernen US-Managers, der mit seiner luftgestützten Privatarmee anrückt, um den sich den Meteoriten zu sichern.

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