Die Kommissarinnen Leonie Winkler (Cornelia Gröschel, li.) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) in Dresden
Foto: MDR

BerlinWie oft erweist sich eine Person, die zu Anfang unter Verdacht gerät, zum „Tatort“-Finale als der wahre Täter? Kaum einmal. Im neunten Dresdener Fall wird zu Beginn Louis Bürger (Max Riemelt) verhaftet. Der Typ geht keiner geregelten Arbeit nach, er saß schon mal drei Jahre lang im Knast, hat mit Ecstasy-Pillen gedealt und überrascht seine Frau Anna (Katia Fellin) zum Geburtstag mit einer Ausfahrt auf einem offenbar „ausgeborgten“ Motorroller. 

Dann wird ein Polizist in der Nachbarschaft erschlagen gefunden, an einem Baseballschläger kleben sein Blut und die Fingerabdrücke von eben jenem Louis Bürger. Der Verdächtige dreht durch und flieht mit Anna.

Max Riemelt: Ein Mann mit viel Energie

Kaum zu glauben, dass Max Riemelt, der diesen in die Enge getriebenen Mann spielt, zum allerersten Mal im „Tatort“ auftaucht. Seine Physis und seine Energie hatte er schon in jungen Jahren gezeigt, als er einen Ex-Junkie auf dem Weg zum Ironman oder in „Napola“ mitspielte. Für den Regisseur Stephan Lacant übernahm er vor Jahren eine Rolle, die einige Kollegen abgelehnt hatten: Er spielte gemeinsam mit Hanno Kofler ein schwules Polizistenpaar in „Freier Fall“.

Das Ehepaar Bürger (Katia Fellin, Max Riemelt) droht die Heimleiterin Ella Lehmann (Anita Vulescia, re.) zu töten.
Foto:  MDR

Dieser Titel hätte auch zu diesem „Tatort“ besser gepasst als das finster dröhnende „Die Zeit ist gekommen“. Denn Louis und Anna rücken immer enger zusammen und fallen gemeinsam ins Bodenlose, verstricken sich auf der Flucht immer tiefer. Sie wollen ihren Sohn aus dem Kinderheim holen – doch das haben die Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel) geahnt. Die daraus resultierende Geiselnahme folgt den üblichen Abläufen: Scharfschützen gehen in Position, eine Kommissarin geht allein ins Haus.

Katia Fellin: Eine Entdeckung fürs Fernsehen

Doch dieser „Tatort“ hält seine hohe Intensität und Dichte, steigert sie sogar immer weiter. Die Situation wird immer unübersichtlicher. Der Zuschauer sorgt sich sowohl um die Geiseln wie um die Geiselnehmer. Zugleich liefert die Story von Stefanie Veith und Michael Comtesse Hinweise darauf, dass Louis vielleicht doch der Täter gewesen sein könnte. Doch der beharrt gegenüber der Polizei: „Wir kommen hier nur raus, wenn ihr uns sagt, wer es war!“

Nicht nur Max Riemelt, der hier zwischen Aggressivität und Verzweiflung alles geben darf, bestimmt den Film – Katia Fellin als seine Frau ist eine Entdeckung für das Fernsehen. Fast schon ein Profi dagegen ist Claude Heinrich als Sohn, der bereits in Serien wie „Dark“ und „8 Tage“ aufgefallen war und jüngst als junger Udo Lindenberg trommelte. Das Kommissars-Trio dagegen agiert diesmal angenehm funktional. Es wird kein Privatkram ausgebreitet, keine Rivalität gepflegt, sondern alles dem gemeinsamen Ziel untergeordnet: dass alle heil aus der Sache herauskommen.

Tatort: Die Zeit ist gekommen – So, 5.4., 20.15, ARD