Die neue Dresdner Kommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) wird bei ihrem Debüt gleich mit dem puren Horror konfrontiert. Ein abgelegenes Hotel entpuppt sich als Geisterhaus. In den Zimmern sitzen ausgeblutete Leichen wie Puppen an Tischen. Die Neue ist so geschockt, dass sie nicht eingreift, als der vermummte Täter ihrer Kollegin Gorniak (Karin Hanczewski) ein Messer in den Bauch rammt und flüchten kann. Eine gute Viertelstunde lang steckt der Thriller tief im Horror-Modus. Autor Erol Yesilkaya, der schon mit einigen sehr speziellen „Tatort“-Fällen für Furore sorgte, und der junge Regisseur Alex Eslam beweisen mit dieser Stilübung, dass sie das Genre gut im Griff haben.

Doch nach dem furiosen Auftakt fällt der Film in vertraute Szenerien zurück. Leonie Winkler wird als die Tochter eines ehrwürdigen Kriminalisten eingeführt, der seiner Tochter wenig zutraut und dicke Zigarren pafft – Uwe Preuss scheint auf diese autoritären Typen abonniert zu sein. Seine Rolle als Revierleiter im Rostocker „Polizeiruf“ sieht ähnlich aus. Leonie will sich bei ihrem Einstand als strebsame, fleißige Polizisten zeigen, braucht dann aber die Hilfe von Karin Gorniak, die nach ihrer Verletzung freiwillig in der Asservatenkammer ihren Beamtendienst verrichtet. Ob Cornelia Gröschel einmal Alwara Höfels ersetzen kann, die das Zentrum des Dresdener „Tatorts“ bildete und freiwillig ausgestieg, lässt dieser Krimi offen. Dazu wirkt die Rolle zu einschichtig, besitzt Gröschel noch nicht die Autorität ihrer Vorgängerin.

Die Hauptarbeit muss wieder Karin Gorniak übernehmen, die wie schon im vorigen Fall ein hohes persönliches Risiko eingeht. Denn sie bleibt die einzige, die den smarten Mediziner Dr. Mertens durchschaut. Benjamin Sadler wird dem Zuschauer ungewöhnlich früh als Täter präsentiert und hat Zeit für pseudo-philosophische Einlassungen: „Ich muss immer töten, Sie werden mich immer jagen.“ Karin Hanczewski kann ihre volle Physis dagegensetzen. Das Duell ist durchaus ansehnlich und erreicht zum Schluss sogar wieder Hochspannungs-Niveau.

Tatort – Das Nest So, 28.4., 20.15 Uhr, ARD