Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch, r) untersucht die Leiche der Jugendamtsmitarbeiterin  Monika Fellner (Melanie Straub) im Beisein der Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, M) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt).
WDR

Mitunter beschleicht einen beim „Tatort“ das Gefühl, die wissen nach fünfzig Jahren und tausend Morden gar nicht mehr, was sie noch erzählen sollen. Diese völlig sinnlose Berliner Verbrecherjagd vom vorigen Sonntag zum Beispiel, schade um ums Geld und noch viel mehr um die Zeit.

Das Kontrastprogramm kommt jetzt aus Köln. Ballauf und Schenk werden in ein Drama hineingezogen, bei dem jeder Zuschauer und jede Zuschauerin und im schlechtesten Fall auch noch jedes Kind mitreden kann, falls es so lange aufbleiben darf. Sei es aus eigenem Erleben, aus Erfahrung in der Familie oder im Freundeskreis. „Und alle haben sich mal so geliebt“, seufzt Max Ballauf zum Schluss beim Feierabendbier. Freddy Schenk antwortet: "Ich sage dir was, ich habe mit Susanne so ein Glück gehabt.“ Diese geheimnisvolle Susanne, die noch nie zu sehen war, wie einst die Frau von Colombo. Aber das nur am Rande.

Der Bullterrier vom Jugendamt

Der Fall, mit dem sie es hier zu tun bekommen, führt die Kommissare zu drei Paaren, bei denen Liebe längst in Hass umgeschlagen ist. Die gemeinsamen Kinder werden als Waffe im Kampf gegen den anderen in Stellung gebracht. Es geht darum, dem Feind größtmögliche Verletzungen zuzufügen, es geht um häusliche Geländegewinne und nicht zuletzt um Geld. Alles kulminiert in dem toxischen Begriff:„Unterhalt“. Die einen fordern ihn, die anderen wollen ihn nicht zahlen. Und zwischen den Fronten steht Monika Fellner (Melanie Straub), der Bullterrier vom Jugendamt, wie sie genannt wird. Die vielleicht etwas zu resolute Kollegin arbeitet im Ressort „Unterhaltsvorschusskasse“, das heißt, sie könnte dafür sorgen, dass säumige Zahlungen vom Staat übernommen werden. Das sind in Deutschland zwei Milliarden Euro pro Jahr, wie zu erfahren ist.

Das Leben ist nicht originell

Es ist überhaupt viel zu erfahren. Wer weiß denn schon, dass nur jedes vierte Elternteil den festgelegten Betrag für sein Kind zahlt? Es wird getrickst, getäuscht, betrogen. Die Opfer auf dem postfamiliären Kriegsschauplatz sind zunächst einmal die Kinder. Doch eines Abends liegt dann die grimmige Frau Fellner vom Jugendamt tot im Rinnstein. Der Film von Jürgen Werner (Buch) und Nina Wolfrum (Regie) ist vielleicht nicht originell, dafür aber nahe an der Wirklichkeit. Auch das Leben ist nicht originell. Man liebt sich, streitet sich, trennt sich, und am Ende geht es nur noch um den Besitz der Kinder. So muss man es sagen.

Die Fallstudien, an denen das Thema abgehandelt wird, sind sozial genau austariert. Ein Architektenpaar, eine Sozialwissenschaftlerin mit Dachdecker und ein Pärchen, fast Kinder noch, bei dem Freddy gern ein Auge zudrücken würde. Es ist keine Frage von Alter, Bildung oder Status. Es geht nur um Ego und Euro. „Fick dich, Reiner“, brüllt die Architektin ihren Ex-Mann an. Auch sie haben sich mal so geliebt.

Tatort: Niemals ohne mich

So., 22. März 2020, 20.15 Uhr, ARD