Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) schlendert im Sommeranzug durch ein Taunus-Dörfchen und schreibt eine Postkarte. Er will dem Gewohnten entkommen und sich selbst neu entdecken. Auf dem Tisch im Restaurant liegt seine Urlaubslektüre, die andeutet, wohin die Reise geht: Es ist Edgar Allan Poes Doppelgänger-Story „William Wilson“. Prompt begegnet er auf der Hotelterrasse einem Mann, der ihm ähnlich sieht.

Dabei ist Walter, ein Autohändler aus dem Nachbardorf, ganz anders als der feinsinnige Murot: Er hat einen derben Humor, wirkt angeberisch, aber auch sehr einnehmend. Die beiden Männer verbringen einen Tag zusammen, düsen mit einem Sportwagen umher, trinken viel Wein und tauschen nach der Sauna sogar die Kleider. Nachts wird der betrunkene Walter in Murots Anzug überfahren – und Murot wacht in einem fremden Haus auf und erschreckt Walters Gattin (Anne Ratte-Polle) fast zu Tode.

Die „Tatorte“ mit Murot sind schon seit zehn Jahren Reisen ins Ich des Kommissars und zugleich eine Tour durch die Filmgenres. Ob Brutalo-Western, Psycho-Thriller oder Zeitschleifen-Drama – jeder Film stellte den Wiesbadener LKA-Man auf eine neue Probe. Der Film von Ben Braeunlich (Buch) und Grzegorz Muskala (Regie) kommt diesmal als Boulevardkomödie daher. Die Anspielungen auf Tatis Klassiker „Die Ferien des Monsieur Hulot“ bleiben lose – einzig Murots unkonventionelles Tennisspiel erinnert an das Vorbild. Gespielt wird nicht nur auf dem Tennis-Court.

jeder geht fremd oder hat Geheimnisse

Ulrich Tukur steigt gleich in drei Rollen: Erst parallel als Murot und Walter, dann als Kommissar in der Rolle des ermordeten Autohändlers. Wie Tukur diese Rollen voneinander absetzen kann, das macht großen Spaß. Spannend bleibt, ob die anderen Figuren Murot durchschauen: Was ahnt Walters Frau, die ihn schon mal umbringen wollte, was die Nachbarin (Carina Wiese), mit der Walter offenbar ein Verhältnis hatte. Murot muss jede Andeutung nutzen, um die Rolle des Fremden zu spielen. Wie der Film das scheinbar idyllische Vorstadtleben zerlegt, das ist sehr unterhaltsam: Denn jeder geht fremd oder hat Geheimnisse. Mit Anne Ratte-Polle, Carina Wiese und Thorsten Merten hat Ulrich Tukur gute Gegenparts.

Nach gut einer Stunde aber ist dieser Spaßfaktor so langsam aufgebraucht, und in den Szenen mit Murots Assistentin Wächter (Barbara Philipp), die Murot nach dessen Beerdigung entdeckt und empört stellt, wandelt sich die Komödie zu einem recht konventionellen „Tatort“. Seine Ausbrüche aber gehen einem in diesem Herbst besonders nahe: Murot braust mit Walters Gattin im roten Cabrio durch den Taunus, als wäre es die Toskana – und sie beide ein Haushalt.

Tatort: Die Ferien des Monsieur Murot – So, 22.11., 20.15 Uhr, ARD